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Oedelsheim und Lippoldsberg sollen Entscheidung dem Zufall überlassen

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Von: Thomas Thiele

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Hängt in der Luft: Wo in der neuen Gemeinde Wesertal die Weserstraße liegt, entscheidet ein Los oder doch eine Abstimmung © Montage: Thomas Thiele

Die Entscheidung darüber, in welchem Ortsteil der neuen Gemeinde Wesertal sich künftig die Weserstraße befindet, wird möglicherweise morgen Nachmittag durch ein Los gefällt.

Dies soll in einer öffentlichen Veranstaltung ab 17 Uhr in der Gemeindeverwaltung in Lippoldsberg erfolgen. Der Mittwochtermin steht aber noch auf der Kippe, weil es wegen der dann gleichzeitig andauernden Kreistagssitzung Zeitprobleme gibt – und weil sich möglicherweise noch eine andere Lösung andeutet.

Wie mehrfach berichtet, kann es nach der Fusion nur eine Weserstraße geben und die Einwohner sowohl in Oedelsheim als auch in Lippoldsberg wollten aber jeweils ihre Weserstraße behalten. Die Gemeinde schlug vergeblich neue Namen vor. Nachdem ein Abstimmungsgespräch der Einwohner nicht zustande kam, weil zehn Lippoldsberger nicht 40 Oedelsheimern gegenüberstehen wollten, erbaten die Gemeindevorstände aus beiden Orten ganz neue Namensvorschläge, wenn man sich nicht auf eine Weserstraße einigen könne.

Da es weder in der Lenkungsgruppe noch im Gemeindevorstand oder der Gemeindevertretung Lösungsvorschläge oder Entscheidungen gab, schlug die Lenkungsgruppe zuletzt vor, das Los entscheiden zu lassen. Nun aber nicht mehr, wie zunächst von Bürgermeister Cornelius Turrey erläutert, wer welchen neuen Namen bekommt, sondern nun über die Frage, welcher Ort die Weserstraße behält und welcher einen neuen Straßennamen bekommt. Die Oedelsheimer bestanden bis zuletzt auf ihren alten Namen, lediglich die Lippoldsberger schlugen eine Alternative vor, für den Fall, dass sie kein Losglück haben sollten.

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Cornelius Turrey, Bürgermeister © Archiv: Thomas Thiele

An der Auslosung sollen unter anderem sowohl die Vorsitzenden beider Gemeindevertretungen als auch Mitglieder der Lenkungsgruppe teilnehmen. Weil es morgen aber bei einigen Teilnehmern Terminüberschneidungen geben könnte, stand dieser Termin gestern Abend noch nicht endgültig fest.

Zudem gibt es einen weiteren Grund: In einem Offenen Brief vom Wochenende haben die Oedelsheimer die Lippoldsberger Mitbürger noch einmal zu einem offenen Gespräch über die Straßennamenproblematik eingeladen (Text unten). Es wäre sinnvoll, den Los-Termin zu verschieben, falls die Frist sich als zu knapp erwies: „Wir brauchen ja nicht zwingend einen Losentscheid, eine Lösung im Gespräch wäre besser“, erklärte Turrey auf Anfrage der HNA. Für den Losentscheid entschied sich die Lenkungsgruppe, in der alle Gremien und Fraktionen vertreten sind. Über den Straßennamen entscheiden letztlich die Gemeindevertretungen. Wie die Vorauswahl zustande kommt, dafür gebe es keine Vorschriften. Für das jetzt von den Oedelsheimern angeregte Gespräch wäre es optimal, wenn sich Abordnungen in gleicher Größe träfen, nicht in einer der Weserstraßen, sondern auf neutralem Boden, um den Stress zu minimieren, wie Turrey auf Nachfrage präzisierte. 

Oedelsheimer laden zu offenem Gespräch ein 

Als undemokratisch haben 28 Einwohner der Weserstraße in Oedelsheim die Entscheidung der Lenkungsgruppe bezeichnet, die Namensgebung für die beiden Weserstraßen in der künftigen Gemeinde Wesertal durch einen Losentscheid zu treffen. „Dies ist mit unserem Verständnis von demokratischem Miteinander schwer vereinbar. Damit entziehen sich die Entscheider der Lenkungsgruppe und kommunalen Gremien endgültig einer sachlich fundierten Abwägung der bekannten Argumente“, heißt es in einer von Dr. Michael Jaeschke übersandten Stellungnahme. 

Bei der Umbenennung von Straßen im Zuge der Gemeindefusion von Wahlsburg und Oberweser sollte einmal die Anzahl der Bewohner und die Bedeutung der Straße ein wesentliches Kriterium sein - bei sechs von acht Umbenennungen sei dann auch durchaus nachvollziehbar zugunsten von Wahlsburg entschieden worden, heißt es weiter. „Für unsere Weserstraße aber gilt dies offensichtlich nicht, andere Kriterien wurden bis heute nicht genannt.“ Sie könnten sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die verantwortlichen Gremien „aus welchen Gründen auch immer“ ihre Sachargumente nicht ernsthaft abwägen gegen die eher dürftige Argumentation für die Beibehaltung der Weserstraße in Lippoldsberg und wehren sich gegen den Vorwurf, „die Ebene der Sachdiskussion“ verlassen zu haben. 

Die Oedelsheimer möchten allerdings „die Mitbürger aus der Weserstraße in Lippoldsberg noch einmal herzlich einladen zu einem offenen Gespräch. Ein sachlicher Austausch von Argumenten mit Stimmengleichheit beider Seiten wäre ein Beispiel gelebter Demokratie.“ 

Als Argumente führen sie an, dass ihre Weserstraße Teil des ECO-Pfades sei, eine viel besuchte, über Jahrhunderte gewachsene historische Straße von überregionaler Bedeutung mit denkmalgeschützten Fachwerkhäusern, Pensionen, Campingplatz, Handwerksbetrieb, Blumenladen, Mosterei, einer Galerie mit Ausstellungen und Konzerten sowie Gartenschauen mit bis zu 800 Besuchern; „Bei Außenstehenden dürfte die Entscheidungsunfähigkeit und -unwilligkeit der Gremien nur Unverständnis hervorrufen.“ In Lippoldsberg gibt es drei Firmen, die Fähre und einen Wohnmobilstellplatz. 

Sitzung zur Fusion

Nachdem Oberweser entschieden hat, berät die Gemeindevertretung Wahlsburg am Mittwoch, 30. Oktober, ab 20 Uhr im Hotel Zum Anker in Lippoldsberg über einheitliche Friedhofsgebühren, Hundesteuern, Hebesätze und ein Wappen der neuen Gemeinde Wesertal. Zudem geht es um die Bewirtschaftung des Haus des Gastes und den Bericht über weitere Themen der Fusion.

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