Auszeichnung für Kirchenmusiker

50 Jahre an der Orgel: Oedelsheimerin erhält Walter-Blankenburg-Medaille 

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Ein halbes Jahrhundert an der Orgel: Auch nach 50 Jahren ist Christel Kehr noch immer als Organistin tätig. 

Oedelsheim. Zu Gesicht bekommt man sie selten, zu hören umso mehr: Seit 50 Jahren bespielt Christel Kehr als Organistin die Kirchen in Oedelsheim, Gieselwerder und Gottstreu.

Für ihren langjährigen Einsatz wurde ihr nun die Walter Blankenburg-Medaille verliehen, eine besondere Auszeichnung für Kirchenmusiker in der Evangelischen Kirche Kurhessen Waldeck. „Keine Frage, meine Tätigkeit hat schon mit einigen Einschränkungen zu tun“, erklärt die 65-Jährige, die immerhin ein halbes Jahrhundert den Ton bei kirchlichen Veranstaltungen im Kirchspiel regelmäßig angab. 

Bei Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Konfirmationen und natürlich die normalen sonntäglichen Gottesdienste, eben wann immer feierliches Orgelspiel benötigt wurde, war die Oedelsheimerin bis auf wenige Ausnahmen zur Stelle. Auch heute spielt sie an der Weser noch die Orgel, „allerdings nur, wenn ich Zeit dafür habe – einmal im Monat kommt das immer noch vor.“

Zur Orgel kam Christel Kehr schon mit zehn Jahren. Damals hätte sie Klavier gespielt und da es Engpässe bei den Organisten gab, hätte man sie Stück für Stück an die Orgel herangeführt. Als Jugendliche bekam sie dann noch den Feinschliff vom damaligen Kantor und fortan war sie für Oedelsheim und Gottstreu zuständig. Vor 25 Jahren ist dann noch Gieselwerder hinzugekommen und auch Vertretungen in Heisebeck und Arenborn gehören dazu. 

Stress an Weihnachten

„Gerade Weihnachten war immer Stress - erst drei Gottesdienste spielen, dann nach Hause zur Bescherung und später wieder zur Spätmesse zurück in die Kirche“, schildert sie den Heilig Abend, wie sie ihn viele Jahre erlebte. Da sie am Sonntagmorgen immer fit sein musste, waren auch Feiern am Vorabend stets mit Einschränkungen verbunden. „Ich habe immer aufgepasst, bloß nicht zu viel zu trinken, da ich ja schon morgens an die Orgel musste.“ Und weil sie keine Zeit zum Kochen gehabt habe, hätte es an diesen Tagen für ihre Familie auch stets nur ein Süppchen gegeben.

Trotz der unbequemen Momente erinnert sich die Kirchenmusikerin auch an viele schöne: „In meiner Praktikumszeit zur Apothekerin war ich abends fix und fertig - dann bin ich nach dem Dienst in die Kirche gegangen und habe stundenlang Orgel gespielt“, berichtet die 65-Jährige. Gerade das Spiel an der alten Euler-Orgel in Oedelsheim sei Entspannung und Auftanken pur gewesen – vor allem, wenn sie an ihrem „Lieblingsinstrument“ die Noten ihres bevorzugten Komponisten Bach zum Klingen bringen konnte. 

Christel Kehr spielt seit 50 Jahren die Orgel an der Weser – dafür wurde ihr die Walter-Blankenburg-Medaille verliehen. Eine Auszeichnung, die in Oberweser nur sie bisher bekam.

Obwohl die Organistin einige Lieder „wie die 331, das beleibte Großer Gott wir loben dich“ schon bald einige hundert Mal gespielt hat, werden alle Stücke des kommenden Gottesdienstes immer pflichtbewusst am Vortrag durchgespielt. Dann fühle sie sich sicher, denn schließlich lasse sie ja die Besucher nach ihrer Pfeife tanzen, sagt sie augenzwinkernd.

Obwohl sie zu ihrem 40-jährigen Dienstjubiläum sagte, dass nach 50 Jahren Schluss sei, sieht sie dies nun doch anders: „Solange ich gesund bin und Freude an der Sache habe, bin ich dabei.“

Blankenburg-Medaille für Organistin

Für Christel Kehr wurde im Oktober ein Dankgottesdienst veranstaltet in der Oedelsheimer Martinskirche. Dort wirkten auch die Kantorei und die Flötengruppe als Überraschung mit, zwei Formationen, in welchen die Organistin selbst mitsingt und spielt. 

In der Veranstaltung wurde ihr die Walter- Blankenburg-Medaille von Pfarrer Jonathan Bergau im Namen des Bischofs verliehen. Diese Auszeichnung können Kirchenmusiker bekommen, welche mindestens 24 Jahre für die Kirche von Kurhessen-Waldeck tätig waren. In Oberweser ist die Organistin die Einzige, der diese Medaille verliehen wurde. 

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