Frage nach Datenschutz

Panne beim Arbeitsamt: Vier Einladungen für eine Person

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Bekam insgesamt vier Briefe vom Arbeitsamt: Julian Sonne (18) aus Heisebeck.

Heisebeck. Panne bei der Agentur für Arbeit: Gleich vier Einladungen bekam Julian Sonne aus Heisebeck vor kurzem von der Behörde per Post zugestellt.

Eine Einladung war an ihn adressiert, in dem Umschlag waren allerdings noch drei weitere Einladungen, die eigentlich an Personen aus Lippoldsberg, Vernawahlshausen und Immenhausen gehen sollten. Die Adresse auf dem Kuvert war die von Julian Sonne. In den Briefen wurden alle Empfänger zu Terminen bei der Arbeitsagentur eingeladen.

Julian Sonnes Bruder Oliver nahm die Sache in die Hand. „Ich habe alle, die ihren Brief ja nun nicht erhalten haben, angerufen und ihnen die Termine mitgeteilt“, sagt er. Oliver Sonne war vor vielen Jahren selbst einmal arbeitslos und weiß, was passieren kann, wenn man zu Terminen bei der Behörde nicht erscheint. „Die Agentur kürzt schnell die Bezüge. Ich wollte nicht, dass das den Leuten passiert, nur weil sie ihre Briefe nicht bekommen haben.“ Denn dass die Einladungen nie angekommen sind, könne man ja nicht beweisen.

Die Erklärung

Die Sprecherin der Arbeitsagentur Kassel Silke Sennhenn erklärt die Panne auf Nachfrage so: „Briefe werden bei uns maschinell einkuvertiert und frankiert. Dabei ist wohl ein Fehler passiert.“ Selbst beim Herausnehmen aus der Maschine sei es kein Wunder, dass die Schwere des Briefes nicht aufgefallen war. „Wir verschicken zweiseitige Schreiben genauso wie Briefe mit 16 Seiten“, so Sennhenn. Insgesamt verschickt die Arbeitsagentur täglich im Durchschnitt 2000 Schreiben. „Wir haben diesen Vorfall unseren Technikern sofort gemeldet, die den Fehler behoben haben“, so die Sprecherin. Dass so etwas nie wieder passiere, könne man aber nicht garantieren.

Die Konsequenzen

Die Arbeitsagentur macht darüber hinaus klar, dass Niemandes Bezüge gekürzt werden, weil er zu einem Termin nicht erschienen ist. Jeder bekomme noch ein zweites Schreiben, in dem solche Schritte zwar angedroht, aber nicht gleich umgesetzt würden. Laut Sennhenn hätten die Betroffenen damit die Möglichkeit, sich zu rechtfertigen. „Wenn man nicht beweisen kann, dass man den Brief gar nicht erhalten hat oder am Tag des Termins verhindert war, gilt im Zweifel immer ‚für den Angeklagten‘“, sagt Silke Sennhenn. Julian und Oliver Sonne hätten in jedem Fall vorbildlich gehandelt, indem sie die Termine an die Adressaten der Briefe weitergegeben hätten. „Dafür bedanken wir uns ganz herzlich.“

Der Datenschutz

Der zweite Knackpunkt für Familie Sonne ist das Thema Datenschutz. „Andere möchten ja vielleicht nicht, dass wir jetzt wissen, dass sie arbeitslos sind“, sagt Oliver Sonne.

Das kann Sennhenn gut verstehen. „Gerade auf Dörfern kennen sich die Leute, da ist das besonders unglücklich.“ Bei der Behörde würde Datenschutz normalerweise groß geschrieben und sei von größter Wichtigkeit.

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