Kadaver am Mittwoch geborgen

Rätsel um Zuständigkeit: Totes Schaf lag tagelang an Weser

Entdeckte das tote Schaf: Dieter Winterfeldt versuchte, die für die Entsorgung zuständige Behörde zu finden – ohne Erfolg. Foto: Hartmann /nh

Gottstreu. Ein Schafskadaver hat tagelang am Ufer der Oberweser gelegen. Grund war offenbar, dass die Zuständigkeiten der Behörden nicht geregelt waren.

Am Mittwoch wurde das tote Tier geborgen - die Zuständigkeiten blieben aber weiter unklar.

Sein Spaziergang am Montagmorgen brachte Dieter Winterfeldt aus Gottstreu einen unschönen Anblick. „Meine Hündin hat sofort Alarm geschlagen“, so der 63-Jährige. Er hatte das tote Schaf am Weserufer in Höhe des früheren Gottstreuer Sportplatzes entdeckt. Zunächst wartete Winterfeldt ab, doch nachdem der mittlerweile aufgedunsene Kadaver am nächsten Morgen noch immer an Ort und Stelle lag, griff er zum Hörer.

„Mein erster Gedanke war, dass die Gemeinde weiterhelfen könnte.“ Doch habe man ihm mitgeteilt, dass für solche Fälle keine Zuständigkeit bestehe. Man wolle sich aber mit den örtlichen Schäfern in Verbindung setzten und versuchen, den Besitzer des Schafes ausfindig zu machen. Tatsächlich suchte ein Schäfer das Weserufer auf - stellte jedoch fest, dass es sich nicht um eines seiner Tiere handelt, bestätigt die Gemeinde.

Am Mittwoch der nächste Anlauf von Winterfeldt - diesmal beim Veterinäramt des Kreises. Die Behörde habe ihn an den zuständigen Tierkörperbeseitiger verwiesen. Doch der ist vor allem für totes Wild zuständig - und nicht für ein Schaf in der Weser.

Dieses Behörden-Ping-Pong ärgert den Gottstreuer: „Man hört immer, dass der Bürger sich einbringen soll und wenn man dann mal ein Anliegen hat, will keiner verantwortlich sein.“

„Es stimmt nicht, dass niemand zuständig ist“, sagt Oberwesers Hauptamtsleiter Dirk Schmitt. Er macht aber klar, dass die Sache rechtlich durchaus kompliziert ist: Weil der Besitzer des Tieres nicht zu ermitteln war, ist eigentlich der Besitzer des Grundstücks für die Entsorgung zuständig. Und der sei, weil es sich um einen Fluss handelt, der Bund, also das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Hann. Münden.

Doch dort ist man anderer Ansicht: Solange es nicht die Sicherheit des Schiffsverkehrs betreffe, sei man formal nicht zuständig. Stattdessen sei Hessen in der Verantwortung, genauer gesagt die Untere Wasserbehörde. Die ist beim Landkreis Kassel. Dessen Sprecher Harald Kühlborn sieht die Sache anders - und ebenfalls den Bund in der Pflicht.

Trotz solcher Meinungsverschiedenheiten sei man durch eine so genannte Ersatzvorwegnahme immer handlungsfähig. Das bedeutet: Wäre nichts passiert, hätte der Kreis die Sache in die Hand genommen, bezahlt und dann geprüft, wer die Kosten trägt. Doch das war nicht nötig: Das Schifffahrtsamt holte das Tier aus der Weser, die Gemeinde werde sich um die Beseitigung kümmern, hieß es am Nachmittag vom WSA. (gor/rax)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.