30 Teilnehmer bei Infoveranstaltung in Gewissenruh

Salzabwasser aus Kalibergbau: Hölzel und Schott klären auf

+
Rund 30 Gäste waren der Einladung gefolgt: Marjana Schott (stehend) auf der Informationsveranstaltung, Thema Weserpipeline und Stapelbecken, im Gasthaus zum Reinhardswald in Gewissenruh.

Gewissenruh. Knapp 30 Gäste folgten der Einladung von Marjana Schott, Sprecherin der Fraktion der Linken für Umweltpolitik im hessischen Landtag, an die Weser nach Gewissenruh.

Thema der Informationsveranstaltung war die Entsorgung der Salzabwässer aus dem Kalibergbau in Hessen und Thüringen.

Unter den Gästen befanden sich vor allem Anwohner der Weser- und Reinhardswaldgemeinden sowie Vertreter örtlicher Bürgerinitiativen und des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND).

Als Experte erläuterte Dr. Walter Hölzel aus Witzenhausen, Chemiker und Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz (WWA), vor allem alternative Entsorgungsverfahren wie das Eindampfen.

Setzt auf ein EU-Veto: Dr. Walter Hölzel, Chemiker und Vorsitzender der WWA.

Thema war auch das inzwischen bekannte Gutachten zur Grund- und Trinkwassersituation im Werragebiet aus dem Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Marjana Schott berichtete in Gewissenruh, dass Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) im Umweltausschuss des Landtages am vergangenen Donnerstag weiter auf ihren Vier-Phasen-Plan setze und die Daten aus dem eigenen Hause anzweifle. Das HLUG hatte Schäden und Gefahren für das Grundwasser durch die Verpressung der Salzabwässer in den Untergrund beschrieben, der Plan der Ministerin sieht jedoch weitere Verpressungen vor.

„Die Ministerin ignoriert die Tatsache, dass das Trinkwasser bereits geschädigt ist“, so der Vorwurf von Schott. Auch ein Computermodell, mit dem das Unternehmen K+S die Unbedenklichkeit der Entsorgung in den Untergrund bereits 2013 nachweisen sollte, läge noch immer nicht vor, kritisierte die Landtagsabgeordnete. Weitere Versenkungen dürften, so ihre Auffassung, damit nicht mehr genehmigt werden.

Alle Beteiligten schauen nun auf das kommende Umweltministertreffen der Weseranrainerländer. Hier müsste ein Bewirtschaftungsplan für den Fluss beschlossen werden, die Kollegen der hessischen Umweltministerin lehnen den Vier-Phasen-Plan jedoch bisher ab. Über den Ausgang sind sich Hölzel und Schott uneinig: Während Hölzel davon ausgeht, dass die Minister aus den Reihen der Grünen einem Kompromiss zustimmen werden, um Priska Hinz zu stützen, rechnet Marjana Schott nicht mit einer Einigung. In Gewissenruh nutzten die Kritiker der Entsorgungspraxis die Gelegenheit zum Meinungsaustausch. Für Samstag ruft das Aktionsbündnis „Salzfreies Märchenland“ außerdem zu einer Demonstration unter dem Motto „In die Weser mit den vier Phasen“ in Gieselwerder auf.

Von Markus Löschner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.