Zum Desinfizieren der Klauen

Schäfer soll Tiere durch Giftbad getrieben haben

Ermittlungen laufen: Nur etwa 50 Meter von der Weser entfernt hat offenbar ein Schäfer Durchlaufwannen aufgebaut, die mit der Chemikalie Formaldehyd gefüllt sind. Foto: nh

Oberweser. Ein Schäfer steht unter Verdacht, seine Schafe durch Wannen getrieben zu haben, die mit einer Lösung aus giftigem Formaldehyd gefüllt waren.

Der ungeschützte Umgang mit dieser Chemikalie ist heutzutage jedoch verboten, nicht nur im Umgang mit Tieren.

Auf einer Wiese in der Feldflur Oberweser, Weiße Hütte, ist einem Spaziergänger eine große Anzahl blauer Behälter aufgefallen, die dort wahllos zerstreut lagen. Zwei Tröge, wohl mit einer chemischen Lösung gefüllt, standen gleich daneben.

Der Augenzeuge hat noch am selben Abend dem Ordnungsamt gemeldet, dass es sich hierbei vermutlich um giftige Chemikalien handelt. Den Behältern nach war dies der Fall: Die darauf angebrachten Giftwarnschilder wiesen darauf hin. Demnach muss hier also, wie unmittelbare Ermittlungen der Behörden ergaben, ein Schäfer seine Schafe durch Wannen getrieben haben, um ihre Klauen zu desinfizieren.

Nur 50 Meter vom Fundort entfernt, so erklärte der Spaziergänger, verliefe auch die Weser. Außerdem führte auch ein Überlaufgraben genau an dieser Stelle vorbei hin zum Fluss.

Die Umweltpolizei, die Untere Wasserschutzbehörde wie auch das Veterinäramt sind bereits eingeschaltet und die Ermittlungen laufen. Offensichtlich ist es bereits so, dass um die mit der Chemikalie gefüllten Bottiche herum das Gras deutlich braun verfärbt ist. Proben, auch was die chemische Lösung selbst angeht, sind bereits entnommen worden.

Was die Legalität im Umgang mit Formaldehyd im Freien und dessen Anwendung an Tieren angeht, sind die Aussagen von Fachleuten eindeutig: „Was hier ohne die Mitwirkung eines Tierarztes vollzogen worden ist, ist nicht nur gesetzeswidrig, sondern auch leichtsinnig“, fasst Lea Schmitz aus Bonn zusammen, die den Deutschen Tierschutzbund vertritt.

Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises Kassel, geht noch nicht auf die möglichen Auswirkungen auf Grundwasser und Boden ein. Er weist aber auf die Vorgaben des Veterinäramtes hin, die besagen, dass derart verschreibungspflichtige Präparate vom Landwirt selbst keinesfalls hergestellt werden dürfen. Selbst wenn Formaldehyd in Deutschland noch zugelassen wäre, so Kühlborn, sei eine solche Lösung dennoch wie jedes andere Gefahrgut oder als verschreibungspflichtiges Arzneimittel zu behandeln.

Von Rolf Gutenberger

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