Lebt seit Monaten im Kreisteil 

Staatenlose Flüchtlingsfamilie hat keine Perspektive  

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Hoffen auf eine Zukunft in Deutschland: (von links) Omran Allaham, Ammar Musa, Alaa Musa und Haytham Hasan. 

Oberweser. Weil syrische Flüchtlinge aus einem Kriegsland kommen, genießen sie oft besonderen Status in Deutschland.

Einige erhalten sofort eine Aufenthaltserlaubnis. Doch nicht alle haben es so einfach. In Oberweser lebt seit Monaten eine zehnköpfige Familie und sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Das Problem: Sie ist staatenlos.

Leben ohne Perspektive

Bernd Beckenbauer aus Gieselwerder möchte auf das Schicksal der Familie Musa-Hassan-Al Laham aufmerksam machen: Die zehn Flüchtlinge - darunter auch Kinder - leben größtenteils schon seit September verteilt auf zwei Gemeinschaftsunterkünfte und eine Privatwohnung hier. Doch während andere Flüchtlinge Asyl bekamen, Sprachkurse absolvierten und Jobs fanden, ist die Familie zur Untätigkeit verdammt.

Bernd Beckenbauer

Auch über den Stand ihres Asylverfahrens erfahre man nichts, kritisiert Beckenbauer: „Die sind gleich doppelt gestraft.“

Die Ursache

Der Grund für die Komplikationen ist offenbar: Sie sind Flüchtlinge im doppelten Sinn. Denn die Familie floh nach eigenen Angaben vor zwei Generationen vor den Israelis aus Palästina nach Syrien. Als Palästinenser galten sie schon in Syrien als Flüchtlinge - bevor der Krieg sie nach Deutschland vertrieb. Dass die aktuelle Generation in der syrischen Stadt Aleppo geboren wurde und gearbeitet hat, spielt offenbar keine Rolle.

Das sagt das Ministerium

Zum Fall der Familie Musa-Hassan-Al Laham gibt das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) keine Auskunft - wegen der Schweigepflicht. Grundsätzlich sei es aber in der Tat so, dass wenn keine syrische Staatsangehörigkeit vorliege und der Antragsteller nicht glaubhaft machen könne, dass Syrien sein festes Wohnland war, „gerade keine Klärung der Herkunft des Antragstellers möglich ist“. „In diesen Fall kommt die Gewährung eines Schutzstatus regelmäßig nicht in Betracht“, sagt BAMF-Sprecherin Kira Gehrmann.

Kreis nicht zuständig

Auch der Landkreis Kassel kann zum Status der Familie wenig sagen: Er ist zwar für Unterbringung und Betreuung in Oberweser verantwortlich, nicht aber für ausländerrechtliche Belange.

Sprachkurse

„Bei den Sprachkursen gibt es die Regelung, dass die mit Bundesmitteln geförderten Sprachkurse vor Abschluss eines Asylverfahrens nur für Asylbewerber aus den Ländern Syrien, Iran, Irak und Eritrea erfolgen dürfen,“ erklärt Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises. Selbst Asylbewerber aus Afghanistan mit einer Anerkennungsquote von knapp unter 50 Prozent seien nach den Regelungen des Bundes von diesen Sprachkursen ausgeschlossen.

Dies ändert sich aber zunehend: Ab Juni 2016 liefen die neuen Sprachkurse aus Fördermitteln des Bundes und zusätzlichen Mitteln des Landes Hessen an, die auch teilweise für Asylbewerber aus anderen Ländern geöffnet werden sollen.

Hier würden die Kurse über die Volkshochschule Region Kassel koordiniert. Ansatz sei, gerade die Förderprogramme zu nutzen, die den Asylbewerbern eine Sprachkurs-Chance eröffnen, die bisher nicht an Sprachkursen teilnehmen durften.

Es besteht also Hoffnung für die Familie in Oberweser. Auch in Sachen Aufenthaltsrecht hofft Bernd Beckenbauer, dass sich angesichts der Perspektivlosigkeit der Familie bei Behörden die Vernunft durchsetzt: „Wir brauchen endlich jemanden, der sagt: Die Leute bleiben hier.“ 

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