Deutlich weniger Wasser aus der Edertalsperre abgeleitet

Weniger Wasser aus Edersee: Trockenheit stoppt Weserschifffahrt

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Am Dienstagnachmittag konnte die „Hessen“ noch auf der Weser zwischen Bad Karlshafen und Herstelle/Würgassen verkehren. Am Freitag wird Kapitän Oliver Groß seine Rundfahrten vermutlich erst mal einstellen müssen.

Oberweser. Die Trockenheit hat immer größere Folgen. Weil aus dem Edersee weniger abgelassen wird, muss die Schifffahrt auf der Oberweser eingestellt werden.

In Bad Karlshafen stand der Weserpegel Dienstag noch bei 96 Zentimeter. Fällt bis Freitag kein nennenswerter Niederschlag, dann dürfte der Wasserstand um bis zu 40 Zentimeter absinken. Der Grund: Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hann.Münden hat am Dienstagabend die Wasserabgabe aus der Edertalsperre auf sechs Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt. Bis gestern flossen noch 28 Kubikmeter pro Sekunde über Eder und Fulda in die Weser. 

Der fallende Pegel hat zur Folge, dass ab Donnerstag kein gewerblicher Schiffsverkehr mehr möglich sei, sagt Katrin Urbitsch, Leiterin des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes. Grund für die Reduzierung der Abgabe aus der Edertalsperre sei, dass bis Dienstagabend die Füllmenge der Talsperre auf die kritische Marke von unter 40 Millionen Kubikmetern gefallen war. Dann sehe die Betriebsvorschrift vor, den Abfluss zu senken. Zuletzt war dies im Jahr 2014 der Fall. Normal sei für den Edersee eine Füllmenge von rund 200 Millionen Kubikmetern. Über den Pegelstand wird bereits seit Jahren fast jeden Sommer diskutiert.

Die niedrige Wassermenge im Fluss wird auch vom Ufer aus deutlich zu sehen sein. Am Pegel in Hann. Münden wird der Wasserstand von derzeit 1,15 Metern bis Donnerstag auf 75 Zentimeter fallen. Aufgrund der anhaltenden Trockenzeit habe die Behörde bereits am 19. Juli den Zielwasserstand am Mündener Pegel von 1,20 Metern auf 1,15 Metern abgesenkt. Jetzt habe sich die Situation weiter verschärft. In Bad Karlshafen lag der Pegel Dienstag noch bei 96 Zentimeter. Fällt der Wasserstand auch hier um 40 Zentimeter, müssten die beliebten Rundfahrten mit Weserschiffen eingestellt werden. 

Sollte es in den nächsten Wochen nicht anhaltend regnen, könne, so Urbitsch, in etwa 40 Tagen der Fall eintreten, dass die Talsperre nur noch über den „ökologischen Mindestinhalt“ von 20 Millionen Kubikmetern verfügt, also die Menge, die für Tier und Pflanzenwelt notwendig ist.

In 40 Tagen nur noch zehn Prozent Wasser

Bei Vollstau fasst der Edersee 211 Millionen Kubikmeter Wasser. Bis zum Dienstag war die Talsperre nur noch mit 42,8 Millionen Kubikmetern gefüllt, das sind rund 21 Prozent des Gesamtinhalts. 

Noch ist der Pegel der Weser kein Problem: Zum Wochenende hin könnte dieser aber stark sinken und somit die Weserschifffahrt stoppen.

Der Abfluss aus dem See betrug bis zum Dienstag 28 Kubikmeter pro Sekunde. Der Zufluss aus der Eder liegt derzeit aber nur bei 0,68 Kubikmeter/Sekunde. Daraus resultierte bislang ein Wasserverlust von ca. 2,4 Millionen Kubikmeter am Tag. 

Bei gleichbleibendem Zufluss und einem Abfluss von 6 Kubikmeter/Sekunde wird der See weiterhin Wasser verlieren - etwa 460.000 Kubikmeter täglich. Ohne nennenswerte Niederschläge würden im See in ungefähr 40 Tagen nur noch 20 Millionen Kubikmeter sein, zehn Prozent der Vollstaumenge. Dann könnte nur noch die Menge abfließen, die einläuft.

Ab dem Wochenende wohl keine Rundfahrten

In Bad Karlshafen stand der Weserpegel am Dienstag noch bei 96 Zentimeter. Fällt bis Freitag kein nennenswerter Niederschlag, dann dürfte der Wasserstand bis zum Wochenende um bis zu 40 Zentimeter absinken.

Bei einem Wasserstand von weniger als 70 Zentimeter muss auch Oliver Groß, Schiffsführer der „Hessen“ in Bad Karlshafen seine Fahrten einstellen. Zwar ist das Fahrgastschiff ein Flachgänger mit je nach Ladung 50 bis 58 Zentimeter Tiefgang, „aber bei einem Pegel von 70 ist definitiv Schluss“, sagt Groß. Heute und morgen werde er seine Rundfahrten auf der Weser noch anbieten, aber dann sei erst mal Pause. Gewöhnlich legt die Hessen am Anleger in Bad Karlshafen ab, fährt weseraufwärts bis in Höhe der Therme, um dort zu drehen und bis Herstelle/Würgassen flussabwärts zu fahren. Da das Wenden bei der Therme aber bereits zu knifflig wird, steuert Groß die Hessen heute direkt flussabwärts und wendet in Herstelle, wo noch genug Wasser unter dem Kiel ist.

Ihren Betrieb wird vorerst auch die „Flotte Weser“ aus Hameln einstellen. Wegen des Wehrs könne man die kleinen Wesertouren in der Rattenfängerstadt noch anbieten, ab morgen müsse der Verkehr auf der Oberweser jedoch erst einmal ruhen, teilt die Gesellschaft mit. Bei ausreichendem Wasserstand pendelt das Schiff „Höxter“ bis auf montags täglich zwischen Bad Karlshafen und Corvey.

Ob die Weserfähre zwischen Veckerhagen und Hemeln weiter verkehren kann, wenn der Weserpegel deutlich sinkt, ist noch unklar. Fährmann Benjamin Bolte hat mit seiner Fähre, Baujahr 2000, noch keine Erfahrungen mit extremem Niedrigwasser gemacht. Er kann sich allerdings noch an das Jahr 1991 erinnern, als sein Vater Reinhard noch mit der alten Fähre auf der Weser verkehrte. „Damals saßen wir bei einem Wasserstand von 58 Zentimetern fest“, sagt Bolte. In jenem Sommer hätten die Reinhardshäger sogar Tisch und Stühle im Flussbett aufgebaut und sich dort vergnügt.

Das Hafenbecken in Bad Karlshafen wird von der Diemel gespeist. Doch wenn im nächsten Jahr der Hafen über die neue Schleuse zur Weser geöffnet sein wird, dann hängt auch der Hafenbetrieb mittelbar vom Wasserstand der Weser ab. „Wenn dann die Weser nicht schiffbar ist, kann auch in den Hafen nicht eingefahren werden“, sagt Bürgermeister Marcus Dittrich. Denn auch Yachten und Motorboote hätten einen Tiefgang von bis zu 80 Zentimeter. Dittrich hofft, dass dies in der nächsten Saison hoffentlich nicht allzu oft der Fall sein wird.

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