Unfall mit drei Promille: 1800 Euro Strafe

Oberweser/Hofgeismar. Der 36-Jährige war geständig, reuig und bekämpft sein Alkoholproblem - das bewahrte den Mann aus dem nördlichen Altkreis Hofgeismar vor dem Gefängnis.

Er wurde vom Amtsgericht in Hofgeismar stattdessen zu einer Geldstrafe von 1800 Euro verurteilt, bekommt seinen Führerschein frühestens in 18 Monaten wieder.

Dabei hatte er Glück: Bei dem Unfall, den er betrunken und ohne Führerschein verursachte, wurde ein 67-Jähriger aus Helmarshausen zwar schwer verletzt, doch er überlebte. „Der Zeuge hätte sich auch das Genick brechen können und dann säße er nicht hier, aber sie säßen - und sie wissen wo“, sagte der Richter. So lautete die Anklage nur fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung des Straßenverkehrs und Fahren ohne Führerschein.

Im August hatte sich der 36-Jährige nach einem Streit mit seiner Frau wutentbrannt hinters Steuer gesetzt. Knapp drei Promille Alkohol hatte er zu dieser Zeit wohl im Blut.

An der Weserbrücke bei Gieselwerder fuhr er mit seinem Auto auf einen haltenden Mercedes auf, schob diesen auf ein anderes Auto. Der Mercedesfahrer aus Helmarshausen wurde schwer verletzt: Seine Wirbelsäule „wurde in Mitleidenschaft gezogen“, wie das Opfer berichtete, bis heute leidet es unter Entzündungen.

Was die Tat besonders verwerflich macht: Der Verurteilte hatte zwei Wochen vorher in Bayern bereits seinen Führerschein verloren. Da hatte ihn die Polizei am Steuer eines 36-Tonnen-Transporters mit 1,3 Promille erwischt.

Getrunken hatte er aber nach eigenem Bekunden nur 24 Stunden vorher an seinem Geburtstag. Der Alkoholwert muss also während der Fahrt enorm gewesen sein mit dem er dann „einmal durch die Republik“ fuhr.

„Das nimmt ein Maß an, das einen ins Staunen versetzt“, sagte der Staatsanwalt. Wegen der Dummheit des Täters müsse das Unfallopfer ein Leben lang leiden. Zudem sei der Angeklagte auch Berufskraftfahrer gewesen, „von so jemandem erwarte ich mehr“. Der Staatsanwalt beantragte als Strafe 120 Tagessätze zu je 20 Euro.

Der Richter folgte der Argumentation der Staatsanwaltschaft, setzte die Strafe aber mit 15 Euro je Tagessatz niedriger an. „Zu Ihren Gunsten ist, dass Sie geständig sind, nicht vorbelastet und erkannt haben, dass es an der Alkoholproblematik lag.“

Der Angeklagte habe sich aber als „ungeeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges erwiesen“. Frühestens in 18 Monaten wird er sich wieder um einen Führerschein bemühen können - und dann auch eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) bewältigen müssen. Im Volksmund heißt die: Idiotentest. (gör)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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