Neue Besitzer für älteste Häuser des Ortes sollen gewonnen werden

Ort verkauft sich selbst: Gottstreu startet Initiative gegen Leerstand

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Hand anlegen: In der zugewachsenen Hofeinfahrt des früheren Gasthauses Fuchs will der Ortsbeirat Gottstreu nach der nächsten Sitzung selbst aktiv werden und Bäume und Büsche entfernen. Hinter der Idee stehen auch (v. l.): Ortsvorsteher Karsten Bock, Werner Arch (Ortsbeirat), Maklerin Helga Kauffeld, Rolf Mazet vom Waldenserverein , Sabrina Henne (Ortsbeirat) , Kämmerer Cornelius Turrey und Beigeordneter Erhard Henne.

Oberweser-Gottstreu. Leerstehende Häuser sind ein Problem für jeden Ort: Farbe und Putz blättern ab, Grundstücke verwildern, schrecken Besucher ab und belasten das Ortsbild.

Der Ortsbeirat und weitere Einwohner des Oberweser-Ortsteils Gottstreu werden jetzt dagegen aktiv: Sie haben die aktive Vermarktung leerstehender Häuser im Ort angestoßen. Das Dorf verkauft sich selbst, und zwar im positiven Sinne.

Gottstreu ist ein ruhiges und idyllisches Dorf an der Oberweser, 1722 als Kolonie für waldensische Glaubensflüchtlinge aus Frankreich gegründet. Immer wieder kommen Neubürger in das Dorf, um alte Häuser zu kaufen, zu sanieren und hier zu leben.

Die zwei ältesten Häuser allerdings stehen immer noch leer: Das 1730 vom Strumpfstricker Pierre Mazet erbaute Haus Waldenserstraße 3 und das 1729 von der Familie Rivoir errichtete Haus Nr. 7, beides historisch wertvolle barocke Wohn- und Wirtschaftsgebäude, teilweise mit Andreaskreuzen im Fachwerk.

Zugewachsen: In kurzer Zeit sind durch das Pflaster auf dem Hof des früheren Gasthauses wieder Büsche und Bäumchen emporgeschossen, die schon die Haustür versperren.

„Die Urzellen unserer Dörfer darf man nicht aufgeben, sonst ist ihre Identität verloren“, zitiert Ortsvorsteher Karsten Bock einen Autor undunterstreicht ebenso wie Waldenser-Nachfahre Rolf Mazet, dass die beiden ältesten Häuser des Dorfes nicht irgendwelche alten Bruchbuden seien, sondern wichtige Gebäude aus der Gründungszeit des Ortes, die es unbedingt zu erhalten gelte.

Der Ortsbeirat kam mit Immobilienmaklerin Helga Kauffeld aus Reinhardshagen ins Gespräch, die in Gottstreu schon mehrere Häuser vermittelt hat. Sie will nun diese beiden Bauwerke (eines ist herrenlos, aber mit Forderungen belastet, das andere gehört zwei Eigentümern) mit in ihren Katalog aufnehmen und bewerben. Kauffeld: „Es gibt durchaus Interessenten für solche Häuser, die auf dem Land nach Fachwerkbauten suchen“.

Als ersten Schritt zur besseren Vermarktung will der Ortsbeirat Hand anlegen und das in kurzer Zeit entstandene Pflanzendickicht vor den Häusern lichten, damit die Gebäude besser zur Wirkung kommen. Das gefällt auch den Nachbarn.

Die Gemeinde Oberweser hat häufiger mit Leerständen zu tun, aber auch schon dafür gesorgt, das Häuser (zuletzt in Heisebeck) neue Besitzer fanden. „Viele Eigentpümer wohnen weiter weg und kümmern sich nicht mehr darum. Wenn man sie anspricht, dann kommt man ins Gespräch und kann auch was vermitteln, aber es ist ein zähes Ringen“, schildert Kämmerer Cornelius Turrey den Einsatz, der nötig ist. Die Gottstreuer wollen auf jeden Fall dafür kämpfen, dass alle Häuser der Kolonie erhalten bleiben. Ortsvorsteher Bock: „Wir haben zwar keinen Laden und kein Gewerbe mehr hier, aber wir sind stolz, hier zu wohnen.“

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