1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar

Obst im Überfluss: Zahllose Äpfel liegen auf Streuobstwiesen und am Feldrand am Boden

Erstellt:

Von: Josefin Schröder

Kommentare

Äpfel als Fallobst im Vordergrund, im Hintergrund sind Apfelbäume zu sehen
Unter einigen Bäume wie hier zwischen Hofgeismar und Friedrichsdorf findet man zahllose Äpfel. © Thiele, Thomas

Nicht nur an den Bäumen, sondern auch darunter häufen sich unzählige Früchte, die darauf warten geerntet zu werden. Unterschiedliche Ernterechte sorgen mancherorts für Unklarheiten.

Hofgeismar- Die Ernterechte variieren von Kommune zu Kommune. Das sorgt bei einigen für Unsicherheiten, wer überhaupt wo und was ernten darf. Herbstzeit ist Apfelzeit. Streuobstwiesen und Obstbäume findet man im Landkreis an vielen Orten. Die Obstbäume am Feldrand gehören in der Regel den jeweiligen Kommunen, die festlegen, wer dort Äpfel und Obst ernten darf. So werden viele Bäume per Patenschaft vergeben, verpachtet oder versteigert. Beim Anblick des vielen Fallobsts scheint es, als blieben viele Früchte jedoch ungeerntet. Täuscht der Eindruck?

2022 sei ein gutes Apfeljahr. Die vielen Sonnenstunden in diesem Jahr hätten die Früchte saftig und reif werden lassen, berichtet Hans-Jürgen Schwabe, Erster Vorsitzender des Naturschutzbund (NABU) im Kreisteil Hofgeismar. „Die Ernte läuft überdurchschnittlich gut und weit besser als in den vergangenen Jahren“, sagt auch Geschäftsführer der Streuobstinitiative im Landkreis Kassel (SILKA) Dierk Schwedes und berichtet von langen Schlangen vor den Sammelstellen, wo das reife Obst abgegeben werden könne. Die Äpfel seien zwar im Durchmesser kleiner als sonst, weil ihnen Feuchtigkeit fehle, aber geschmacklich sehr süß. Durch die Trockenheit sei das Obst schnell gefallen, die Ernte sei aber noch im Gange. „Es wird noch etwa 14 Tage geerntet“, prognostiziert Schwedes.

Zu den Annahmestellen der Streuobstinitiative wie Hof Schaub in Burguffeln oder die Baunataler Integrationsbetriebe könne jeder seine Äpfel bringen. „Ob im Zehn-Liter-Eimer aus dem eigenen Garten oder im 25-Kilo-Jutesack von kommunalen Streuobstwiesen.“ Wichtig ist, dass die Bäume, die abgeerntet werden, nicht gedüngt und hochstämmig seien, also eine Mindeststammhöhe von 180 Zentimeter aufweisen und damit den Richtlinien des Nabu-Qualitätszeichens entsprächen. Anschließend werden die Äpfel in der Kelterei von Günther Gerth in Reinhardshagen zu Saft verarbeitet.

„Natürlich wäre es schön, wenn alle alles abgeerntet wird“, sagt Schwedes. Das sei jedoch unrealistisch. Wenn es nach ihm ginge, wäre eine einheitliche Regelung mit einem Stichtag ideal. „Die Gemeinden könnten die verpachteten und versteigerten Bäume zum Beispiel ab 15. Oktober für die Allgemeinheit freigeben.“ Alles was dann noch hängt, könnte von jedem unkompliziert geerntet werden. Günther Gerth, Inhaber der Kelterei Gerth’s Fruchtsäfte in Reinhardshagen stimmt ihm zu. „Es bleibt zu viel hängen und keiner weiß so richtig, welche Äpfel von welchem Baum gepflückt werden dürfen“, bedauert er.

In Hofgeismar seien über die Hälfte der städtischen Bäume verpachtet oder versteigert worden, heißt es von der Stadt. In Immenhausen zeigen Kunststoffbänder oder Schilder, wem der Baum gehört. Wie in Wolfhagen auch, kann man dort eine Baumpatenschaft übernehmen. Als Baumpate sei man für die Pflege, zum Beispiel den Rückschnitt der Bäume verantwortlich. Das Obst könne man dafür gratis ernten, erklärt eine Mitarbeiterin der Stadt. Laut Nabu-Experte Schwabe ist das faulende Fallobst aus Naturschutzsicht kein Problem. Für Tiere wie Drosseln oder Wildschweine bildet es eine Nahrungsquelle. „Die Natur kümmert sich darum. Am Ende bleibt nichts mehr übrig.“

Auch interessant

Kommentare