Eco Pfad zu fast 400 Jahren Braunkohleförderung

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Letzte Zeitzeugen: Franz Kafko und Erwin Koch (von links) vor einem großformatigen historischen Foto, das den Eingang zum Stollen Mundloch zeigt und seinen Standort auf dem Eco Pfad am Osterberg erhalten wird

Holzhausen. Kein einziger der mittlerweile 31 Eco Pfade im Landkreis Kassel widmet sich dem Bergbau so intensiv wie der brandneue Themenweg bei Holzhausen. "Ein ungemein spannendes Thema für die Region", sagte Vizelandrätin Susanne Selbert bei der Einweihung des Wander- und Informationsangebotes.

Wie stark sich Bewohner des Ortes auch gut 40 Jahre nach Einstellung des Braunkohlenabbaus noch mit diesem Kapital lokaler Wirtschaftsgeschichte verbunden fühlen, zeigte der eindrucksvolle Andrang zur Enthüllung der Infotafel am Holzhäuser Bürgerhaus.

Die letzten beiden Zeitzeugen, die selbst unter Tage gearbeitet hatten, konnten aus eigenem Erleben berichten. Franz Kafko und Erwin Koch zählen zu den Mitinitiatoren des Eco Pfades. Den Anstoß zu seiner Einrichtung lieferte 2011 der erst kürzlich verstorbene Holzhäuser Franz Nelle, der bei der Verwirklichung auch die Federführung übernahm. Auch er hatte als Bergmann im Reinhardswald gearbeitet. Nelle zu Ehren soll in nächster Zeit am Rehwiesenweg eine Gedenktafel aufgestellt werden.

Die umfangreichen Vorbereitungen zum Großprojekt lagen beim Arbeitskreis Eco Pfad Bergbau Holzhausen unter der jetzigen Leitung von Georg Schulz. Für das gute Dutzend ehrenamtlicher Mitstreiter galt es, nach Recherchen an verschiedensten Quellen und nach intensiven Zeitzeugengesprächen das Material für die Infotafeln zusammenzutragen. Aber das Projekt forderte auch handfeste Einsätze: Es wurden ein Steg über den Osterbach gebaut, eine Sitzgruppe am Osterberg aufgestellt und Geländeflächen von Bewuchs befreit.

Markiert ist der neue Eco-Pfad aus drei eigenständigen Rundkursen mit einem Logo, das aus einem Förderwagen mit gekreuztem Schlegel und Eisen besteht. In der neuen Attraktion sieht Ortsvorsteher Theo Leimbach einen wichtigen Beitrag, "unseren Ort noch lebenswerter zu gestalten". "Mögen viele Menschen auf den Spuren des Bergbaus wandern", wünschte die Vizelandrätin. "Dieser Eco Pfad hat es verdient." Das zeitaufwändige Engagement der Holzhäuser im Arbeitskreis würdigte Immenhausens Bürgermeister Herbert Rössel, der auch dem Förderverein dankte: für die Spende einer Panoramatafel an der Kleeberghütte.

Hintergrund: Themenweg zeigt lokale Geschichte

Dem Bergbau um Holzhausen widmet sich der 31. Eco Pfad im Landkreis Kassel. Fast 400 Jahre, bis in das Jahr 1970, wurde im südlichen Reinhardswald Braunkohle unter Tage abgebaut. Von den Zechen ist keine mehr erhalten, auch das Steigerhaus am Gahrenberg konnte nicht erhalten werden. Der neu eröffnete Themenweg aber bietet tiefe Einblicke in die Bergbau- und damit auch lokale Geschichte von dem Immenhäuser Ortsteil Holzhausen.

Den Spuren des einmal bedeutsamen Wirtschaftszweiges lässt sich anhand von Informationstafeln folgen. Der mit nur geringen Steigungen gut begehbare, insgesamt gut 17 Kilometer lange Eco Pfad zu den einstigen Zechengeländen am Gahrenberg, Kleeberg und Osterberg gliedert sich in drei Einzelrouten. Die Gahrenberg-Runde ist 8,4 Kilometer lang. Sie beginnt am Wanderparkplatz Roter Stock im Reinhardswald. Vom Parkplatz Bürgerhaus in Holzhausen geht es wahlweise auf die vier Kilometer lange Kleeberg- und die Osterberg-Runde. Sie ist 4,8 Kilometer lang.

Unterwegs erfahren die Wanderer Wissenswertes über Braunkohle, die ehemaligen Zechen, die gefährliche Arbeit der Hauer und Schlepper, über Kohlenseilbahnen und Pingen (Vertiefungen im Gelände durch Einsturz alter Gruben).

Ein von der Stadt Immenhausen herausgegebenes kostenloses Faltblatt mit den wichtigsten Informationen zum Eco Pfad Bergbau ist im Rathaus sowie in den gastronomischen Betrieben Holzhausens erhältlich. (pbb)

Weitere Informationen: www.eco-pfade.de

Von Dorina Binienda-Beer

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