Zum Geburtstag gibt's eine Halle 

Piper Deutschland AG kümmert sich seit 50 Jahren um Flugzeuge

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So soll es aussehen: Neben dem Hauptgebäude (links) entsteht eine neue Halle. Der Platz reicht vor allem für die Lager nicht mehr aus.  

Calden. Wilfried Ottos Leidenschaft fürs Fliegen macht ihn traurig. Denn selbst an den Steuerknüppel darf er nicht mehr. Die Pilotenlizenz wurde dem 78-Jährigen aus gesundheitlichen Gründen entzogen.

Seitdem ist sein Arbeitsweg von 16 Minuten Flugzeit von seinem Wohnort Gießen nach Calden auf etwa zwei Stunden angewachsen. Seiner Faszination für die Luftfahrt hat das aber keinen Abbruch getan.

Wilfried Otto ist der Vorstandsvorsitzende der Piper Deutschland AG, die es – zählt man andere Unternehmensformen und Namen in der Vergangenheit mit – in diesem Jahr seit 50 Jahren gibt. Eigentlich sei der Jubiläumstermin schon im Februar gewesen, sagt Otto, man habe die Feierlichkeiten aber in den Juni verlegt, weil viele Gäste eben mit dem Flugzeug kämen und da sei die Jahreszeit jetzt einfach die bessere.

Die Geschichte des Unternehmens beginnt in den 60er-Jahren, als die amerikanische Firma Piper Aircraft Corporation sich entscheidet, den Vertrieb von Piper-Flugzeugen und den passenden Ersatzteilen für den europäischen Markt neu zu organisieren. In einer Zeit, in der jedes dritte der weltweit 15 000 verkauften Flugzeuge pro Jahr eine Piper war, wurde die Henschel Flugzeugwerke AG in Kassel zum Vertriebspartner für Deutschland und Österreich. Erster Piper-Standort in der Region war der Flugplatz in Waldau.

Sie sind der Vorstand der Piper Deutschland AG: Wilfried Otto (von links), Jennifer Bitterberg-Hill und Patrick Weilbach.

Schon ein Jahr später folgte der Neubau einer Halle am alten Flugplatz in Calden – damals gerade im Bau befindlich. Ein Schritt, der sich mehr als vier Jahrzehnte später wiederholte. Denn als der neue Flughafen in Calden entstand, siedelte auch Piper um. Natürlich sei man damals etwas skeptisch gewesen, berichtet Wilfried Otto, der seit 1975 an der Spitze des Unternehmens steht. „Wir hatten Sorgen, dass uns die Sicherheitsauflagen Probleme machen“, sagt er. Aus heutiger Sicht sei der Schritt indes ideal gewesen: „Wir haben hier alles unter einem Dach.“

Und dieses Dach wird erweitert. Weil die rund 1000 Quadratmeter Fläche für Wartung und Lager – der Ersatzteilhandel ist heute das Kerngeschäft – nicht mehr ausreichen, baut Piper eine zweite Halle in direkter Nachbarschaft. Diese soll flexibel erweiterbar sein.

Blick in die große Halle: Bei Piper werden Maschinen gewartet und repariert. Den Großteil des Geschäfts macht aber der Handel mit Ersatzteilen aus.

1600 Piper gibt es in Deutschland laut Otto. Mit so gut wie allen habe sein Unternehmen in der Vergangenheit schon zu tun gehabt. Es könnte Weitere geben, denn aufhören will er erst, wenn es gar nicht mehr geht.

Zur Feier kommt der Fieseler Storch

In Zahlen: Die Piper Deutschland AG zum 50-jährigen Bestehen

Wenn zum 50-jährigen Bestehen einer Firma der Chef seit 43 Jahren der Gleiche ist, dann ist sein Name untrennbar mit dem Unternehmen verbunden. So ist es mit der Piper Deutschland AG und Wilfried Otto. Der 78-Jährige sagt, dass er schon im Studium mit Flugzeugen gehandelt habe. Heute trägt er Krawatten mit Fliegern drauf. Die Geschichte von Piper ist auch die Geschichte einer Leidenschaft.

4 Fremdsprachen stehen Nutzern des noch recht neuen Onlineshops zur Verfügung. 2016 ging die Seite an den Start, gehandelt wird wahlweise in Euro, britischen Pfund oder US-Dollar.

5 bis 10 Flugzeuge verkauft Piper Deutschland heute noch pro Jahr, sagt Geschäftsführer Wilfried Otto. In den 70ern waren es im gleichen Zeitraum mal 150. Der Handel mit Flugzeugen ist schon lange nicht mehr das Kerngeschäft des Unternehmens.

60 Mitarbeiter hat das Unternehmen, die meisten in Calden. Der Rest verteilt sich auf Büros im französischen Troyes, Oxford in England und Mönchengladbach.

300 Gäste erwartet Wilfried Otto zur nicht-öffentlichen Jubiläumsfeier am Wochenende. Denen wird allerdings etwas geboten. Mehrere Oldtimer-Flugzeuge werden ausgestellt, darunter auch der bekannte Fieseler Storch.

1983 beschloss MBB, der damalige Besitzer des ehemaligen Henschel-Konzerns, den Unternehmensbereich Piper zu verkaufen. Die betroffenen Mitarbeiter wollten das jedoch nicht. Sie beschlossen, Mitgesellschafter zu suchen und Geld zu sammeln. Im September des Jahres gründete sich dafür die General Aviation GmbH, die den Unternehmensbereich Piper übernahm.

25.000.000 Euro soll laut Otto der Umsatz im laufenden Jahr betragen. 60 bis 70 Prozent daraus ergeben sich aus dem Handel mit Ersatzteilen in ganz Europa.

Von Lasse Deppe

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