Landkreis Kassel verhindert Treffen

Wegen Corona: Polizei will Fest von Rechtsextremen verbieten - Doch niemand taucht auf

Protest gegen Neonazis: In Gieselwerder montierte die Bürgerinitiative ein Protestbanner mit der Aufschrift „Kein Platz für Nazis“ in Sichtweite des Grundstücks, auf dem das Sonnenwendfest stattfinden sollte.
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Protest gegen Neonazis: Protestbanner in Sichtweite des Grundstücks.

Aufgrund der aktuellen Corona-Bestimmungen hat der Landkreis Kassel ein Treffen von Rechtsextremisten verboten. Die Polizei leistet Amtshilfe. 

Gieselwerder - Der Landkreis Kassel hat mit Unterstützung der Polizei eine Feier auf einem Privatgrundstück in Gieselwerder verhindert, weil diese gegen die Corona-Verordnungen verstoßen hätte. Nach Informationen unserer Zeitung hatte der Rechtsextremist Meinolf Schönborn, der vor einiger Zeit ein ehemaliges Hotel am Waldrand gekauft hatte, 16 Personen für den 21. Dezember, zu einer Mittwinter-Sonnenwendfeier eingeladen.

Das wäre nach Darstellung des Landkreises Kassel wegen der Infektionsgefahren über das derzeit erlaubte familiäre Format von Veranstaltungen hinausgegangen und wäre selbst auf Antrag nicht zulässig gewesen. Der Hausbesitzer habe aber keinen Antrag gestellt. Der Landkreis ließ deshalb über die Ordnungsbehörde der Gemeinde Wesertal eine entsprechende Verbotsverfügung zustellen, erläuterte Landkreis-Pressesprecher Harald Kühlborn.

Corona und Landkreis machen Rechtsextremen Strich durch die Rechnung

Der Polizei lagen bereits im Vorfeld Informationen über das geplante Treffen vor, das weder beantragt noch genehmigungsfähig war. Der Landkreis Kassel habe um Amtshilfe gebeten – und die Polizei rückte am Montagnachmittag mit mehreren Fahrzeugen nach Gieselwerder an, um die Einhaltung der vom Landkreis verhängten Verbotsverfügung zu überwachen und die Veranstaltung notfalls zu verhindern, berichtete Polizeipressesprecher Matthias Mänz auf Anfrage.

Die Beamten waren bis zum späten Abend vor Ort, aber keiner der möglichen Festgäste tauchte auf, das Fest fand offenbar doch nicht statt. Dem Ordnungsamt der Gemeinde Wesertal war es schließlich nach längerem Bemühen gelungen, die Verbotsverfügung dem Hausbesitzer auszuhändigen, hieß es gestern. (Thomas Thiele)

Bürger in Wesertal setzen sich für Offenheit ein

Die neugegründete Bürgerinitiative „Wesertal ist bunt“ hat ihre Haltung jetzt mit neun großen Bannern in allen acht Ortsteilen der Gemeinde Wesertal sichtbar gemacht. Der BI-Slogan ergänzt um „Vielfalt-Toleranz-Respekt“ und in Gieselwerder auch mit „Kein Platz für Nazis!“ wurden mit Unterstützung durch den Bürgermeister und die Ortsvorsteher an Gebäuden und auf Freiflächen aufgestellt. Wenn rechte und rechtsextreme Gesinnung, Hass und Fremdenfeindlichkeit immer lauter werden, sei es umso wichtiger, sich hinter die freiheitlich, demokratische Grundordnung zu stellen, sagte ein BI-Sprecher. Die Gemeinde Wesertal steht für eine vielfältige, tolerante, respektvolle und offene Gesellschaft. Der Zuspruch aus der Bevölkerung bestärke die BI, für diese Werte einzutreten und sie hervorzuheben. Damit weitere Bürger sich engagieren können, ist in Kürze die Gründung eines Vereins geplant.

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