Kampf gegen Stellenstreichung

Lautstarker Protest in Vernawahlshausen: Kirchengemeinde kämpft um ihre Pfarrstelle

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„Lasst uns die Kirche im Dorf“ stand auf vielen Schildern in Vernawahlshausen. Mitglieder der Kirchengemeinden Vernawahlshausen, Arenborn und Heisebeck setzen sich dafür ein, dass ihre Pfarrstelle erhalten bleibt.

Die Menschen in Vernawahlshausen, Arenborn und Heisebeck wollen, dass ihr Pfarrerehepaar bleibt. Dafür gingen sie am Dienstag auf die Straße.

Mit lautem Hupen alter Schlepper, Pfiffen und Buhrufen wurde Dekan Wolfgang Heinicke am Dienstagabend in Vernawahlshausen empfangen. „Lasst unsere Kirche im Dorf“ stand auf den vielen Transparenten.

Seit vielen Jahren teilen sich Elke Herich-Schrader und Thomas Schrader die Pfarrstelle im Kirchspiel mit aktuell rund 1000 Gemeindemitgliedern. Nun soll ihre Stelle – auch vor dem Hintergrund einer Umorganisation der pastoralen Betreuung im Reha-Zentrum Lippoldsberg – wegfallen. Das hat die Synode des Kirchenkreises Hofgeismar entschieden, um Personalkosten zu sparen und weil die Zahl der Christen rückläufig ist.

"Wenn sie gehen müssen, treten wir alle aus der Kirche aus"

Bei den Gläubigen trifft die Entscheidung auf völliges Unverständnis. „Wenn sie gehen müssen, treten wir alle aus der Kirche aus“, wetterte ein Mann lautstark und bekam reichlich Beifall für seine Aussage. Ein anderer meinte, dass die Politik den ländlichen Raum längst vergessen habe, nun würde noch die Kirche nachziehen. Auch Forderungen konnte man hören, etwa wie „Fangen Sie endlich mal oben an zu sparen und nicht immer an der Basis.“

Oder kritische Fragen, wo denn bei dieser Sache die Menschlichkeit bliebe. Man verhalte sich wie ein Unternehmen, was einfach Stellen wegrationalisiere, ohne die Gemeinde im Blick zu haben.

Stellte sich dem Gespräch: Dekan Wolfgang Heinicke (rechts) sprach mit Gemeindemitgliedern.

Eine Frau machte den Vorschlag, dass die Bürger selbst Gelder aufbringen könnten, also etwas beisteuern, damit das Pfarrerehepaar bleiben könne. Ein anderer fragte: „Was machen Sie überhaupt mit den vielen Kirchensteuern? Wenn ich sehe, was ich allein zahle, frage ich mich das ernsthaft.“

Dekan stellt sich dem Gespräch

Dekan Heinicke, der für ein Gespräch mit dem Kirchenvorstand nach Vernawahlshausen gekommen war, sagte, dass eine Pfarrstelle 100 000 Euro im Jahr koste. Außerdem gab er an, dass auch in höheren kirchlichen Positionen schon Stellen gekürzt worden seien. Hoffnung machte er den Vernawahlshäusern nicht. „Ich bin der, der es nicht entschieden hat, aber es ausbaden muss“, meinte er etwas entschuldigend.

„Wir können die Streichung der Pfarrstelle wahrscheinlich nicht verhindern, aber wir werden es versuchen“, sagte Antje Zander vom Kirchenvorstand am Mittwoch gegenüber der HNA und berichtete über ein gutes Gespräch mit dem Dekan. „Wir alle im Dorf finden es total schade.“ Sie habe immer gedacht, die Kirche sei kein Wirtschaftsunternehmen, so Zander enttäuscht.

Schon lange in Vernawahlshausen: Das Pfarrerehepaar – Elke Herich-Schrader und Thomas Schrader – beobachtete die Szene.

Der Kirchenvorstand wolle jedoch nicht aufgeben, sondern sich nun mit einem Schreiben an den Prälat als nächste Instanz wenden. Dabei verwies Zander auf das „richtig gute“ Gemeindeleben im Kirchspiel.

Seit rund 25 Jahren seien Elke Herich-Schrader und Thomas Schrader als Pfarrerehepaar in Vernawahlshausen. Man wolle alles versuchen, damit die Pfarrstelle wenigstens bis zu ihrem Ruhestand in rund zehn Jahren erhalten bleibe.

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