Polizei will gegen Beschaffungskriminalität vorgehen

80 Prozent der Diebe sind drogenabhängig

Kassel/Hofgeismar. 80 Prozent aller Eigentumsdelikte (Diebstahl, Autoaufbrüche, Handtaschenraub) in Stadt und Kreis Kassel werden von Drogenabhängigen begangen. Das sagte gestern Wilfried Henning bei der Vorstellung der Kriminalstatistik Nordhessen für das Jahr 2009. Mit diesem Zustand will sich der Präsident des Polizeipräsidiums nicht abfinden. Es sei für seine Kollegen und die Bevölkerung nicht zumutbar, dass ständig dieselben Junkies den „lieben langen Tag“ Delikte begehen, um Drogen finanzieren zu können.

Wenn er genügend Personal hätte, sagt Henning, könnte er nach jeder polizeilichen Entlassung eines Drogenabhängigen einen Polizisten hinterherschicken, der nur darauf warten müsse, dass wieder eine Straftat begangen werde. Die Süchtigen hätten kaum eine andere Alternative, als Drogen durch Straftaten zu finanzieren.

„Wenn es uns nicht gelingt, suchtkranke Täter für eine Therapie aus dem Verkehr zu ziehen, dreht sich die Spirale aus Drogensucht und Beschaffungskriminalität weiter.“ Henning fordert eine konsequente Prüfung der Haftgründe. Der Haftgrund Rückfallgefahr sei bei Junkies besonders hoch. „Oftmals haben diese Täter nur im Gefängnis eine Chance, zunächst entgiftet zu werden und dann mit Therapieangeboten aus diesem Teufelskreis herauszukommen“, sagt Henning. Er plädiere nicht dafür, „Junkies auf die Dauer wegzusperren“, der Druck, eine Therapie zu machen, müsse erhöht werden.

Von diesem Problem abgesehen, ist Henning sehr zufrieden. Im vergangenen Jahr wurden in Stadt und Landkreis nicht nur weniger Straftaten begangen, gleichzeitig wurde die Aufklärungsquote wieder erhöht. In Kassel nahm die Zahl der Fälle um 223 auf 22 594 (- 1 Prozent) ab, im Landkreis waren es noch 8234 Delikte (- 9,5 Prozent). In der Stadt stieg die Aufklärungsquote auf 56,7 Prozent, im Kreis leicht auf 52,3 Prozent.

  Nordhessen

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