Polizei vermutet professionelle Täter

Raubgräber vernichten einmalige Fundstätten

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Raubgrabung in einem mittelalterlichen Töpfereiabwurfhügel im Oktober 2015.

Die Polizei fahndet weiter nach den professionellen Raubgräbern, die bei Gottsbüren den letzten noch vorhandenen Fundplatz mittelalterlicher Keramik zerstörten.

Der Raub in Gottsbüren hat die weitere wissenschaftliche Erforschung der Töpfereigeschichte unmöglich gemacht.

Fachleute sind entsetzt, mit welcher Brutalität und Rücksichtslosigkeit die Täter vorgingen, um schnelle Beute zu machen. Die Raubgräber hoben in einem Tonabwurfhügel, in dem ein Töpfereibetrieb im 13. Jahrhundert misslungene Brände aufgehäuft hatte, sieben bis zu einem Meter tiefe Löcher aus und stahlen alte Tonscherben. „Noch nie in den letzten 30 bis 40 Jahren wurde ein Töpfereiabwurfhügel dermaßen geschlachtet“, sagt der zuständige Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel. Ohne fachliche Auswertung der Funde und der Fundstelle hätten die Scherben keinen wissenschaftlichen, sondern nur materiellen Wert als Hehlerware.

Die Raubgräber gingen systematisch vor und waren Anfang bis Mitte Oktober mehrere Tage auf dem abgelegenen Areal tätig. Sie müssen Werkzeug wir Schaufeln, Spaten, Spitzhacke, Brechstangen, Eimer oder Container dabeigehabt haben. Als die Gruben wieder verfüllt werden sollten, zeigte sich, dass der verbliebene Aushub dafür bei weitem nicht reicht. Vorsichtig geschätzt muss mehr als ein Kubikmeter abtransportiert worden sein.

Fast gleichzeitig wurde 27 Kilometer entfernt beim Töpferdorf Fredelsloh (Kreis Northeim) ein Töpferhügel aus der gleichen Zeit ausgeraubt. Experten vermuten einen Zusammenhang. In Deutschland werden immer mehr historische Fundstätten durch Raubgräber zerstört. Vor allem Sondengänger mit Metallsuchgeräten grasen archäologische Areal ab und sammeln so viele Münzen und andere Relikte ein, dass manche Fundstätten schon metallfrei sind.

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