19 Stellen betroffen - Interessenten prüfen Übernahme des Zentrums

Reha-Zentrum schließt Berufsförderungswerk

Lippoldsberg. Das Berufsförderungswerk (BFW) im insolventen Klinik- und Rehazentrum Lippoldsberg wird zum 30. November geschlossen. Das hat der Gläubigerausschuss jetzt beschlossen, teilt Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko mit.

Damit gehen 19 Arbeitsplätze verloren.

Das Berufsförderungswerk habe seit geraumer Zeit mit einem drastischen Rückgang von Rehabilitanden zu kämpfen, sagt Danko, und die Aussichten würden nicht besser: „Unsere Marktanalyse hat ergeben, dass auch keinerlei Aussicht auf kurzfristige Besserung besteht.“

Der Berufsföderungsmarkt sei in ganz Deutschland äußerst angespannt, so Danko. Selbst die Marktführer in großen Städten litten unter dramatischen Umsatzeinbrüchen. „Unsere Versuche, Interessenten für eine Übernahme des BFW zu gewinnen, haben die ernste Lage bestätigt“, sagt der Insolvenzverwalter. Vor diesem Hintergrund sei eine Weiterführung unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht möglich.

Die 19 Mitarbeiter seien bereits informiert worden. Weil befristete Verträge auslaufen und Verrentungen anstehen, müssten nur rund ein Dutzend Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt werden. Derzeit werden noch 41 Rehabilitanden in Lippoldsberg betreut.

Unterdessen geht die Suche nach Investoren, die das Klinik- und Rehazentrum übernehmen, weiter. Bis Ende dieses Monats läuft das Bieterverfahren, Interessenten können ihre Angebote abgeben. „Die Resonanz auf den Investorenprozess ist überdurchschnittlich hoch“, sagt Danko. Derzeit werde mit „einer Handvoll“ ernsthafter Interessenten gesprochen. Dies sei maßgeblich auf die schnellen Sanierungsfortschritte zurückzuführen, die in den vergangenen Monaten gemacht worden seien, so der Insolvenzverwalter.

Pinnau: Der Betrieb läuft wieder

Interims-Geschäftsführer zuversichtlich - Sanierungsmaßnahmen im Rehazentrum greifen

Von Gerd Henke

In der vergangenen Woche hat es bereits die ersten Gespräche mit Investoren gegeben, die an einer Übernahme des Klinik- und Rehazentrums Lippoldsberg interessiert sind. Das bestätigt Ralf Pinnau, Interims-Geschäftsführer der Einrichtung.

Wie Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko ist auch Pinnau überzeugt, dass der Investorenprozess "gute Fortschritte" macht. Wenn Ende August die Frist für das offenene Bieterverfahren abläuft, beginne für die möglichen Investoren die Prüfung, ob sich für sie die Übernahme auch wirtschaftlich rechnet. Wie lange dieser Prozess dauert, könne man nicht sagen, so Pinnau. "Da gibt es keine Fristen."

Fest steht für den Krankenhaus-Manager, der von Haus aus selber Arzt ist, dass der Sanierungsplan angeschlagen hat. "Der Betrieb läuft, und wir kommen allen unseren Vertragsverpflichtungen nach." Will heißen: Die Ansprüche von Mitarbeitern, Lieferanten und Geschäftspartnern können wieder in vollem Umfang bedient werden. Weil sich die Einrichtung jedoch noch in der Insolvenz befindet, müssen Zins und Tilgung an Kreditgeber noch nicht bezahlt werden.

Einzigartig in der Region

Pinnau ist zuversichtlich, dass das Klinik- und Rehazentrum dauerhaft fortgeführt werden kann. Die Einrichtung sei einzigartig in der Region und die Zusammenarbeit mit Göttinger Kliniken ausgezeichnet. Vor allem aber verfüge sie über "eine erfahrene und hochmotivierte Mitarbeiterschaft".

Die in den vergangenen Monaten betriebene Sanierung zeitige bereits wirtschaftlichen Erfolg, sagt Pinnau. Indem die klinischen Prozesse auf weniger Häuser konzentriert und die Betten- und Organisationsstruktur optimiert worden seien, habe der Betrieb rationeller gestaltet werden können. Davon hätten insbesondere die Neurologie und die Orthopädie profitiert. "Inzwischen kommen auch wieder Ärzte, die bei und mit uns arbeiten wollen."

Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko können diese Fortschritte nur recht sein. "Dass sich die Reorganisationsmaßnahmen der letzten Monate bereits positiv auf unsere Zahlen auswirken, ist für die Investorensuche nur förderlich."

Bürgschaft steht bereit

Auch Wahlsburgs Bürgermeister Jörg-Otto Quentin sieht für den Krankenhausbereich eine gute Prognose. In der nächsten Woche werde er mit der Geschäftsführung sprechen. Dann werde es sicher auch um die Bürgschaft von einer Millionen Euro gehen, die dem Zentrum aus dem Hessischen Investitionsfonds C zur Verfügung stehen, aber in den Turbulenzen des Insolvenzverfahrens noch nicht abgerufen wurden. Das Geld stehe noch bis Ende 2013 zur Verfügung, sagt Quentin: Für die Ertüchtigung der Infrastruktur auf dem weiträumigen Gelände und dem verschachtelten Gebäudekomplex.

Modernes Gebäude, zentral gelegen: Im Haus Bremen befindet sich seit einigen Wochen die orthopädische Abteilung, die zuvor im Haus Wiesbaden untergebracht war. Dieses Gebäude steht nun leer.

Rubriklistenbild: © Nolte

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