Gebäude wurden 1921 errichtet

Trotz Denkmalschutzes: Bagger zerlegt Sägewerk Oberweser an der B80

Reinhardshagen. Am stillgelegten Sägewerk Oberweser in Veckerhagen haben die Abbrucharbeiten begonnen - obwohl das Gebäude mit Walmdach, Sprossenfenstern und Holzturm unter Denkmalschutz stand.

Erst durch Nachfrage der HNA wurde der Tatbestand am Dienstag beim Landkreis Kassel überprüft und dabei festgestellt, dass bei der Genehmigung des Abbruchs dieser Tatbestand schlicht übersehen und die Denkmalschutzbehörden in das Verfahren nicht eingeschaltet wurden. Ein Ortstermin mit dem Denkmalschutz am Dienstagnachmittag konnte aber nichts mehr retten - der Abrissbagger hatte schon ganze Arbeit geleistet.

Die Meinungen der Experten zu dem Objekt waren widersprüchlich, erklärte Kreispressesprecher Harald Kühlborn. Wegen der Unzumutbarkeit der Belastung einer Wiederherstellung und Unterhaltung der durch einen Brand beschädigten Gebäude hätte die Denkmalpflege dem Abbruch vermutlich am Ende doch zugestimmt, hieß es beim Landkreis.

Rohstofftrennung: Beim Abriss werden Holz-, Stein- und Metallfraktionen getrennt. Was mit den Fundamenten geschieht, ist noch offen. Foto: privat/nh

Seit Montag wird die bereits im Vorjahr erteilte Abbruchgenehmigung für die Produktionshallen des Sägewerks in Veckerhagen umgesetzt. Eine Abbruchfirma zerlegt die 1921 errichteten Gebäude der ursprünglich 1859 gegründeten Firma, die in Spitzenzeiten über 50 Mitarbeiter hatte und aus wirtschaftlichen Gründen 2013 geschlossen wurde. Das Werk hatte sich auf Nadelholz für Bauprojekte spezialisiert, verfügte aber über veraltete Technik und gab mit zuletzt 36 Mitarbeitern wegen Perspektivlosigkeit in der Branche auf, während das auf Buchenholz für die Möbelbranche eingestellte Nachbarunternehmen Bachmann weiterbestand. Einige Maschinen wurden verkauft. Am 30. November 2014 gab es einen Brand, dem Teile der Gebäude zum Opfer fielen.

Der Abriss soll nun drei Wochen dauern, sagte Ludwig Heuser als Geschäftsführer des nach wie vor bestehenden Firma Säge- und Hobelwerk Oberweser auf Anfrage der HNA. Dann sollen die Sägewerksgebäude, bis auf eine Lagerhalle und ein weiteres Gebäude, verschwunden sein. Ob auch die Hallenfundamente mit zerkleinert und abtransportiert werden, muss noch entschieden werden, je nach Folgenutzung. Das heißt, es könnten auch neue Gebäude auf den Fundamenten entstehen.

Es gibt offenbar schon Vorverträge für den Verkauf eines 8000 bis 10.000 Quadatmeter großen Teilareals, doch das wollte Ludwig Heuser nicht bestätigen. „Wir sind noch in der Findungsphase für mehrere Nutzungsvarianten“, sagte er. Das Gelände eigne sich für Wohnbebauung ebenso wie für Einzelhandel. Zudem hätten auch der benachbarte Sägewerksbetrieb und eine Spedition Interesse an dem Grundstück angemeldet. Sicher sei aber, dass auf den alten Fundamenten keine neue Produktionshalle aus der Holzbranche entstehe.

Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar ist froh, dass nach dem Ende des Winters an der Brandruine des Sägewerks Oberweser „nun endlich aufgeräumt wird". Und es wäre schön, sagte er, wenn es auch eine vernünftige neue Nutzung gebe.

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Rubriklistenbild: © Foto: Sallwey/nh

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