Naturschutzförster Wilfried Bettenhausen geht in Pension

Auch im Ruhestand in den Reinhardswald

Der scheidende Naturschutzförster Wilfried Bettenhausen steht vor der Kamineiche im Urwald Sababurg.
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Wilfried Bettenhausen vor der Kamineiche: In den Urwald Sababurg hat der Naturschutzförster viel Arbeit investiert.

„Wichtig ist, dass man zufrieden ist im Leben“, sagt Wilfried Bettenhausen. Danach hat der 65-Jährige sein Leben ausgerichtet.

Und so fällt dem scheidenden Naturschutzförster der Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand nicht schwer. Ende Januar geht Bettenhausen, der sich intensiv um den Urwald Sababurg gekümmert hat, in Pension. Ungezählte Besucher führte er dort zu den alten, knorrigen Eichen.

Im Forstamt hatte man ihn schon im November verabschiedet. Bei einem Besuch im Naturschutzgebiet Bennhäuser und Rothbalzer Teich in Immenhausen verabschiedete er sich damals auch von den ehrenamtlichen Schutzgebietsbetreuern, deren Ansprechpartner er im Amt war.

Natur prägte ihn schon als Kind

Die Natur hatte ihn schon als Kind geprägt, erzählt Bettenhausen. Er wuchs in Essen-Kettwig auf, an der Ruhr und am Stadtwald. Trotzdem wollte er Tontechniker werden. Er hörte gern Musik und war von der Technik begeistert. Bei einem Besuch beim WDR stellte er aber fest, wie abgeschottet Tontechniker arbeiten. Das war nichts für ihn. Ein Gespräch bei der Berufsberatung brachte Klarheit und eröffnete ihm den Weg zum Traumberuf.

Bettenhausen studierte in Göttingen und entschied sich am Ende für eine Forstlaufbahn in Hessen. Da habe es die besten Voraussetzungen gegeben: Er könnte „schöne Wälder bewirtschaften“, in ein Forsthaus einziehen und jagen, erzählt der angehende Pensionär.

1992 das erste Revier in der Schwalm

Nach der Anwärterzeit in verschiedenen Forstämtern übernahm er 1992 sein erstes Revier bei Frielendorf in der Schwalm. Infolge einer Forstreform wurde das Revier aufgelöst. Der Förster brauchte ein neues, das er im Reinhardswald fand. Die Familie zog um in die Einsiedel-Försterei Beberbeck. 2005 kam erneut eine Reform, sein Amtsbezirk wurde mit einem Nachbarrevier zusammengelegt. Damals habe der Schmerz tief gesessen, dass er das Revier aufgegeben musste. Seine Lebenseinstellung half ihm darüber hinweg.

Und später stellte er fest, dass es mit der neuen Aufgabe als Naturschutzförster im Forstamt Reinhardshagen „nicht hätte besser kommen können“. Er wurde mit neuen Themen konfrontiert, arbeitete mit Biologen, Wissenschaftlern und ehrenamtlichen Naturschützern. „Man kriegt immer mehr Einblicke in die Abläufe in der Natur“, sagt Bettenhausen und blick zufrieden zurück.

Viele Führungen durch den Urwald

Nicht nur der Schutz wertvoller Gebiete war seine Aufgabe. Bettenhausen war auch für Umweltbildung und Waldpädagogik zuständig. Neben den Führungen im Urwald Sababurg vermittelte er Schulklassen und Kindergarten-Gruppen Wissen um Wald, Bäume und Natur. Hermann-Josef Rapp habe da viel Vorarbeit geleistet. Die habe er „geerbt“ und sei in die Aufgaben hineingewachsen. Die Nachfrage nach Urwald-Führungen war so groß, dass er Gruppen an andere Waldführer abgab. Inzwischen organisiert der Naturpark diese Touren durch eins der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands.

Neben den Naturschutzgebieten war Bettenhausen im Forstamt auch für die Kernflächen zuständig. Das sind die Gebiete, die in den vergangenen Jahren aus der Nutzung genommen wurden, damit sie sich ungestört natürlich entwickeln können. Die jüngste Herausforderung ist der Biber. Das Forstamt müsse sich um die Tiere kümmern, die wieder an der Weser und ihren Nebengewässern leben. Sollte es dabei Probleme geben, müssten die geregelt werden.

Bettenhausen guckt nach Fledermäusen und Quellen

In diesem Jahr wird Bettenhausen mit seiner Frau das Forsthaus Sababurg verlassen. Dann ziehen sie in den Breunaer Ortsteil Wettesingen, wo die Tochter wohnt. Kontakt zum Reinhardswald und zum Naturschutz wird bleiben. Im Ruhestand will er sich um Fledermäuse und Quellen in dem Waldgebiet kümmern. Denn über beides sei noch wenig bekannt.

Als Nachfolger kümmert sich jetzt Jakob Gruber um die Schutzgebiete. Er war vorher beim Naturpark Reinhardswald tätig. (Bernd Schünemann)

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