Auf dem Floß die Weser hinunter

Gruppe aus Reinhardshagen machte Urlaubstour auf selbstgebauten Flößen

Flussabwärts: Mit rund sechs Stundenkilomenter wurden die Flößer von der Wasserströmung getragen, im Hintergrund der Anleger der Fähre zwischen Veckerhagen und Hemeln (im Bild).
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Flussabwärts: Mit rund sechs Stundenkilomenter wurden die Flößer von der Wasserströmung getragen, im Hintergrund der Anleger der Fähre zwischen Veckerhagen und Hemeln (im Bild).

Die Flößerei gehört zu Reinhardshagen wie der Trecker zum Landwirt: So lag es für die beiden einheimischen Peter Nemeth und Sven Schäfer nah, die Tradition wieder aufleben zu lassen.

Reinhardshagen – Kurzentschlossen bauten sie zwei Flöße und fluderten – wie das Floßfahren unter Kennern auch genannt wird – vor Kurzem weserabwärts. „Sich in den Flieger nach Malle setzen kann jeder – wir wollten mal was anderes erleben und zwar hier bei uns in Deutschland“, sagt Schäfer. Da die schöne Weser und ihrer besondere Landschaft direkt vor ihrer Haustür lägen, seien sie darauf gekommen, hier Urlaub mit ihren Familien zu machen. Bevor es auf Fahrt gehen konnte, mussten die „schwimmenden Terrassen“, wie die beiden scherzhaft ihre Gefährte nennen, gebaut werden.

„Knapp zwei Monate waren wir damit beschäftigt“, berichtet der 38-jährige Schäfer. Aus leeren Fässern für den Auftrieb, Douglasienpanelen als Boden und Rädern für den Transport bestehen im Wesentlichen ihre Konstruktionen. „Da wir auf Qualität geachtet, etwa Aluminiumschienen verbaut haben, sind 1500 Euro für jedes Floß an Materialkosten zusammengekommen“, resümieren sie. Im Gegensatz zu den historischen Ausführungen haben ihre Flöße sogar jeweils zwei Fünf-PS-Motoren.

Letzte Handgriffe: Peter Nemeth (vorn) reparierte mithilfe von Sabrina Sallwey eine Halterung, bevor es losging. Sven Schäfer kümmerte sich um die Motoren.

Das wäre wichtig, um einfach ans Ufer und wieder dort weg zu kommen. Für ganz schnelle Wege gab es zudem ein kleines Beiboot. Eigentlich waren die Schwimmterrassen mit allem ausgestattet, was man benötigt: Es gab einen Gasgrill für die Essenzubereitung, Sitzgelegenheiten, eine Musikbox, Strom, Frischwasser zum Händewaschen und Duschen und sogar eine Toilette. „Da die Wassercontainer von der Sonne aufgeheizt waren, konnten wir abends mit warmen Wasser duschen.“ Dafür nutzten sie eine batteriebetriebene Pumpe mit Schlauch und Duschkopf. Speziell auch ihr Klo, welches aus einem aufklappbaren Sitzgestell und einer Brille bestand, unter die man jeweils einen Beutel für die Notdurft klemmen musste. „Hinter einer Stoffkabine kam diese dann bei längeren Wasseraufenthalten zum Einsatz“, verriet der 63-Jährige Nemeth.

Da die elf Fößer nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ reisten, ging es ganz entspannt voran. So machten sie schon am ersten Tag auf dem Campingplatz in Weiße Hütte halt. Weiter ging es in Richtung Höxter bis nach Grohnde kurz vor Hameln, wo der einwöchige Trip endete. „120 Kilometer sind wir auf der Weser bei Wind und Wetter gefahren.“ Um noch mehr Strom an Board zu haben, wurde dieser bei der akutellen Fahrt über Akkus und eine Autobatterie bereitgestellt, will Schäfer die Flöße noch mit Solarmodulen ausstatten. Ganz sicher wollen sie nochmal loslegen, entweder dieses oder spätestens nächstes Jahr. (Tanja Temme)

Umzug bei der Kirmes 

Natürlich hat sich die Floßtour im Ort herumgesprochen. So kam eine weitere Idee auf: Da die örtliche Kirmes in zwei Wochen ausfällt, soll es nun einen leinen Umzug als Ersatz am 15. August zumindest einen Umzug geben (geplant: Auf Aufstellung am Weserufer in Fahrtrichtung kalter Hof ab 13 Uhr, Start 14 Uhr, Ende am Festplatz). Dabei soll auch die Schwimmterrasse teilnehmen. Außerdem wünschen sie sich an der Weser einen kleinen Hafen.

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