Schädlingsbefall und Pilzkrankheiten

Die Bäume im Reinhardswald verdursten: Auch Buchen und Lärchen betroffen

+
Nichts mehr zu machen: Nach den verheerenden Stürmen hat der Borkenkäfer die Fichten auch im Lumbachtal im Reinhardswald heimgesucht. Das Holz ist nicht mehr zu verwerten, sagt Forstamtssprecher Klemens Kahle.

Die Bäume im Reinhardswald verdursten wegen der Trockenheit. Dadurch werden sie zunehmend Opfer von Schädlingsbefall und Pilzkrankheiten.

Die Probleme im Reinhardswald werden immer größer. Nach dem großflächigen Absterben der Fichten leiden inzwischen auch immer mehr Buchen und Lärchen unter der Trockenheit. Die geschwächten Bäume werden zunehmend Opfer von Schädlingsbefall und Pilzkrankheiten.

Der Reinhardswald ist mit 200 Quadratkilometern Hessens größtes zusammenhängendes Waldgebiet. Doch die baumfreien Flächen weiten sich aus. Die Stürme des vergangenen und Anfang diesen Jahres und der bereits 2018 einsetzende Borkenkäferbefall haben mittlerweile 1400 Hektar Kahlflächen im Reinhardswald verursacht, berichtet Klemens Kahle, Sprecher des Forstamtes Reinhardshagen. „Kleinere Flächen unter 0,5 Hektar sind darin noch nicht mal erfasst.“

Aktuell sind schon über 50 Prozent des Holzvorrates der Fichte im Staatswald von Reinhardswald und hessischem Bramwald durch Windwurf und Borkenkäfer verloren gegangenen. „Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil bis zum Jahresende noch wesentlich erhöhen wird“, sagt Kahle. Der vom Forstamt betreute Privat- und Kommunalwald sei ebenso stark vom Ausfall der Fichte betroffen.

Doch es bleibt nicht bei der flachwurzelnden Fichte. Auch die widerstandsfähigere Buche, die natürliche Hauptbaumart der Region, gerät immer mehr unter Trockenstress. Alte, über 100 Jahre alte Bäume, die auf durchlässigen Standorten stehen, sterben langsam ab. Die Kronen, die jetzt eigentlich ein dichtes grünes Dach bilden müssten, werden lichter.

Wie bei der Fichte setzen auch den geschwächten Buchen und Lärchen auf diese Baumarten spezialisierte Borkenkäfer zu. Die durch Käferfraß hervorgerufenen Verletzungen bieten das Einfallstor für Pilzkrankheiten, die das Holz schnell entwerten.

Hauptursache der Kalamitäten ist die Trockenheit im zweiten Sommer in Folge. Experten rechnen mit einer weiteren Zunahme der Erkrankungsfälle im Jahresverlauf. 

Beängstigende Entwicklung

Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) waren bis Juni bundesweit 120 000 Hektar Wald flächig abgestorben. In Hessen seien etwa 15 000 Hektar Wald tot. Darüber hinaus seien auch in noch geschlossenen Waldbeständen viele Bäume abgängig. Besonders beängstigend sei die Geschwindigkeit, mit denen die Schäden zunehmen. Die Entwicklung sei deutlich gravierender als zu Beginn des Waldsterbens in den 1980er Jahren, so die SDW.

Lesen Sie dazu: Interview: Hessen-Forst-Chef Gerst weist Kritik an Naturwald-Konzept zurück

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.