Diskussion

Die bedrohte Schönheit Reinhardswald

Die Reinhardswald-Kontakte haben traditionell ein großes Publikum: Das Foto zeigt einen Teil der Gäste vor dem Blockhaus. Fotos:  Henke

Reinhardshagen. Bei den traditionellen Reinhardswald-Kontakten des Forstamtes wurden die gegensätzlichen Interessen an der Nutzung des Waldes sichtbar.   

Dem Reinhardswald werden mehrere Superlative angeheftet: Er ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens, er hat den höchsten Buchenbestand aller hessischen Wälder und forstlich betrieben wird er von dem größten Forstamt des Landes. Allein aus solchen Eigenschaften ergibt sich, dass die Menschen der Region eine enge, teilweise emotionale Beziehung zu diesem besonderen Wald haben. Nach langen Jahren des Zauderns hat deshalb die Landesregierung der Einrichtung eines Naturparks Reinhardswald endlich zugestimmt.

Die Ansprüche an den Wald bleiben allerdings höchst unterschiedlich. „Der Reinhardswald im Spannungsfeld unterschiedlicher Nutzungsinteressen“ hieß dann auch das Thema der Reinhardswald-Kontakte, zu denen das Forstamt Reinhardshagen nun schon zum 43. Mal eingeladen hatte. Mit Forstamtsleiter Dr. Markus Ziegeler als Moderator diskutierten auf dem Podium unter den mächtigen Buchen des Reviers Waldhaus Regionalmanager Holger Schach, der Landschaftsökologe an der Uni Kassel, Dr. Jochen Godt sowie der Sägewerk-Geschäftsführer Wolf-Georg Fehrensen aus Hedemünden. Letzterer sieht den Waldumbau zu mehr Laubbaumarten und das Zurückdrängen der Fichte als „Brotbaum der Forstwirtschaft“ kritisch. Der Sägewerksbesitzer plädiert dafür, die Buche an den geschützten Weserhängen regelmäßig einzuschlagen.

Den Reinhardswald auch touristisch zu entwickeln und ihn „in Maßen wirtschaftlich zu nutzen“, sieht Holger Schach als richtigen Weg an. Die Grimm-Heimat Nordhessen biete hier ein treffliches Marketinginstrument.

Dass indes die Ausweisung größerer Naturschutzgebiete sehr wohl auch im Interesse des Tourismus sein könne, darauf machte Dr. Jochen Godt aufmerksam. Zwar gebe es manchmal Widerstände vor Ort, aber insgesamt wolle eine Mehrheit der Bevölkerung Schutzgebiete. „Denn die Bevölkerung identifiziert sich mit ihrem Wald.“ Zudem benötige auch die Natur Raum für Prozesse ohne Eingriffe des Menschen.

Dafür, dass die derzeit großen kontroversen Themen den Reinhardswald betreffend noch zur Sprache kamen, sorgten zwei Bürgermeister. „Die verschiedenen Interessen werden nicht abgestimmt“, kritisierte Reinhardshagens Verwaltungschef Fred Dettmar. Er sieht den Reinhardswald von Windkraftanlagen und Stapelbecken für Abwässer aus der Kaliproduktion bedroht. Obgleich die Weser und der Reinhardswald „das Schöne ist, das wir heute noch haben, werden die Problematiken schlimmer als besser“, lautete Dettmars scharfes Urteil.

Das sieht Trendelburgs ehemaliger Bürgermeister und Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) nicht anders. Klug sieht die Ausweisung des Reinhardswaldes als Naturpark als „rein kosmetisches Instrument“ an. Er glaube nicht, dass vor dem Hintergrund von Windkraft und Stapelbecken höhere Wertschöpfung aus dem Tourismus zu erzielen sei. Klug und Dettmar ernteten für die klaren Aussagen Applaus der zahlreichen Gäste.

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