30 Jahre Mauerfall

Delia Rieser aus Vaake erinnert sich an die Wende: "Eine Invasion von Trabis"

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Diese Fotos erinnern Delia Rieser an die Besuche der CDU-Mitglieder aus der ehemaligen DDR nach der Grenzöffnung. 

An den 9. November 1989 erinnert sich Delia Rieser genau. Es war ein Donnerstag. Sie war Mitglied in der CDU-Fraktion Reinhardshagen.

Eine Sitzung stand an. Die Mitglieder warteten auf ihren Vorsitzenden Jochen Röhrich, erzählt sie im Gespräch mit der HNA. Etwas habe in der Luft gelegen. „Und dann kam Jochen durch die Tür und rief: Die Mauer ist auf, die Mauer ist auf!“ Da war es dann tatsächlich passiert.“ Die Sitzung wurde vor den Fernseher verlegt, und vor dem Fernseher wurde gefeiert.

Schon die Tage zuvor habe Rieser mit Sorge beobachtet, was in der DDR passierte. „Die Angst vor Gewalt gegen die Demonstranten hat uns täglich begleitet.“ Sie selbst habe keine Verwandten in der DDR gehabt. Aber sie habe mehrmals Freunde in Berlin besucht und die Schikane an der Grenze erlebt. „Das war einschüchternd“. Damals habe sie sich nicht vorstellen können, wie ein Zusammenschluss mit der DDR funktionieren könne.

Kleine Freude für DDR-Kinder

Die Tage nach dem Mauerfall seien von einer allgemeinen Euphorie geprägt gewesen. Doch in Reinhardshagen habe man zunächst keine Konsequenzen gespürt. Am folgenden Wochenende sei sie dann zu Besuch in Baunatal gewesen. „Dort gab es eine Invasion von Trabis!“

In einem Supermarkt habe sie viele DDR-Bürger beim Einkaufen beobachten können. Auch eine Mutter mit ihren zwei Kindern sei darunter gewesen. Die Frau sei darauf bedacht gewesen, alles Nötige zu kaufen. Die Kinder wollten unbedingt einen Schokoladen-Weihnachtsmann haben und weinten bitterlich, als die Mutter wegen zu wenig Geld verneinte. Da habe Rieser den beiden die Weihnachtsmänner gekauft. „Ich habe nie wieder so frohe Augen gesehen.“ Für ihre eigenen Kinder sei es so selbstverständlich gewesen.

Dass die Mauer schließlich fiel, sei auch für die Gemeinde Reinhardshagen relevant gewesen. Der Bau der Wesertalhalle sei ihrer Erinnerung nach als letztes Projekt im Randgebiet zur DDR vom Staat bezuschusst worden. Sie habe damals an der Planung der Halle mitgewirkt, die es nun seit 26 Jahren gebe. Eine Partnergemeinde in der DDR habe Reinhardshagen während der Deutsch-Deutschen-Trennung nicht gehabt. Nach dem Mauerfall habe sich aber eine Freundschaft zwischen der Reinhardshäger CDU und den Parteifreunden im thüringischen Dachwig bei Mühlhausen entwickelt. Zwei Wahlkämpfe lang habe man die Parteikollegen unterstützt. Für Rieser waren das die ersten Besuche in der DDR.

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