Marathon am Zockertisch

Doppelkopf in Reinhardshagen: 188 Spieler ringen um Deutsche Meisterschaft

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Mit Freude bei der Sache: Carsten Ploog, Reinhard Gemünd, Matthias Stadt und Rolf Ferfers (von links) verstanden sich gut beim Kartenzocken.

Reinhardshagen. Die verbrauchte Luft gibt beim Betreten des Saals umgehend Auskunft über die vielen rauchenden Köpfe, die hier gerade auf Hochtouren arbeiten.

In Vierergruppen hat man sich zusammengefunden, an jeder Tischecke einer und wer genau hinhört, kann Worte wie „gesund“, „buttern“ oder „fleischlos“ aufschnappen. Es wird Doppelkopf in der Wesertalhalle in Reinhardshagen gespielt – nicht irgendwer, sondern die Besten des Landes traten am Wochenende bei der Deutschen Doppelkopf-Einzelmeisterschaft gegeneinander an.

„Noch nie hat es in Reinhardshagen eine deutsche Meisterschaft in irgendeiner Sportart gegeben“, sagt Willi Wrede vom veranstaltenden Doppelkopfverein Oberweser nicht wenig stolz. Das durften der Gottstreuer und seine Vereinskollegen auch sein, hat es doch nach dem zweitägigen Zockermarathon sogar Standing Ovations für die perfekte Ausrichtung gegeben.

Knapp 200 Spieler aus der gesamten Republik nahmen an dem Wettkampf teil, fuhren mitunter hunderte von Kilometern, um sich stundenlang in diesem typisch deutschen Kartenspiel zu messen. Sobald die Karten gemischt sind, wird nicht mehr geredet am Tisch, höchstens ein Wort aus der Doppelkopfsprache eingeworfen. „Es kommt eben nicht nur auf ein gutes Blatt, sondern Gedächtnisleistung, taktisches Einfühlungsvermögen und mathematisches Verständnis an und dafür ist Konzentration gefragt“, erklärte Spielleiter Dieter Salomon.

Helfende Hände: Angelika Bucher, Vereinsvorsitzender Willi Wrede, Dr. Susanne Morlang und Spielleiter Dieter Salomon (von links) vom Doppelkopfverein Oberweser sorgten mit dafür, dass alles klappte.

Unter den vier Spielern bilden immer zwei ein partnerschaftliches Verhältnis, ein Zusammenfinden, was nur über die Sprache der Karten stattfindet. „Denjenigen herauszufinden ist es, was für mich einen großen Teil des Reizes ausmacht“, bemerkt Olivera Markov aus Berlin. Deshalb sprechen Doko-Liebhaber auch von einer „gewissen Emotionalität“ oder „Nervenkitzel“, der häufig dabei ist. Es käme deshalb immer mal wieder vor, dass jemand während des Spielens aufspringe, vielleicht auch etwas rumbrülle und dann entladen ruhig weitermache, hieß es da. Dass von morgens bis abends sich alles um die 48 Spielkarten drehte, schien niemand zu langweilen. „Kein Spiel ist wie das andere – und trotz der Dynamik hat es für uns etwas Entspannendes.“ Das nahm man den Teilnehmern auch gerne ab, die allesamt wirkten, als seien sie gerade in eine ganz eigene Welt abgetaucht: Eine Welt, in der man sich über Bube, König und As verständigt.

Mit einem Drittel der Teilnehmer waren die Frauen gut vertreten, ist die Zahl doch bei anderen Kartenspielen weitaus geringer. Wirklich junge Spieler musste man suchen, der Durchschnitt bei rund 50 Jahren lag.

Info:Wer Interesse an Doppelkopf hat, kann sich beim Doppelkopfverein Oberweser melden. Meist finden die Treffen freitags in Reinhardshagen statt. Auskunft gibt Vereinsvorsitzender Willi Wrede unter 0 55 74/18 83.

Blinder Kasseler holt Platz 13

Die Doppelkopf-Elite aus ganz Deutschland trat am Wochenende in Reinhardshagen gegeneinander an. Aus dem Kasseler Raum war Horst Griffaton der beste Spieler, der noch dazu blind ist und mit gestanzten Karten spielt; er belegte Platz 13. Die drei Teilnehmer aus dem veranstaltenden Verein begnügten sich mit Plätzen im Mittelfeld, Norbert Aßhauer schaffte es etwa auf Platz 72. 

Als Sieger ging Thomas Riedel aus Northeim hervor, der allerdings in einem Verein in Celle spielt, gefolgt von den beiden Northeimern Timo Dröge und Denis Schelm. Nur Spieler, die sich im Vorfeld qualifiziert hatten, konnten bei der Meisterschaft antreten. An beiden Tagen wurden jeweils vier hundertminütige Runden gespielt. An 47 Tischen traten Spieler an, die zuvor per Zufallsgenerator ausgelost worden waren. Über die Einhaltung der Regeln wacht ein Schiedsrichter plus dreiköpfiges Schiedsgericht.

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