Bad Karlshafen/Reinhardshagen

Edersee muss schon jetzt Wasser an die Weser abgeben

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Derzeit noch keine Probleme: Die Fähre zwischen Veckerhagen und Heme ln hat genug Wasser unterm Kiel, notfalls wird weniger geladen, berichtet Fährmann Benjamin Kraft. Voriges Jahr konnte man im trockenen Spätsommer durch die Weser laufen, denn das Wasser war nur noch knietief.

Unterm Kiel wird’s wieder knapp, deshalb sorgt der Edersee bereits jetzt für Wassernachschub in der Weser.

Die Weseranlieger müssen sich wohl auf einen weiteren trockenen Sommer mit niedrigen Wasserständen einstellen, der auch die Schifffahrt – wie im vorigen Jahr – zeitweise zum Stillstand bringt. 

Wegen des fehlenden Regens muss die Weser bereits jetzt gestützt werden. Die Kurve der Ederseefüllstände nähert sich in rasantem Tempo dem langjährigen Mittel. 

Weit unterhalb eines möglichen Talsperrenüberlaufs also, während sich die Kurve in den Wintermonaten zumeist 20 bis 30 Millionen Kubikmeter über dem langjährigen Mittel bewegt hatte.

Der vereinzelte Regen sorgt nicht für Entspannung

Aktuell erhöhte das Wasserstraßen-Schifffahrtsamt (WSA) in Hann. Münden die Abgabe aus dem Edersee auf 16 Kubikmeter pro Sekunde, um die Weser zu stützen. Der vereinzelte Regen in diesen Tagen entspannte die Lage kaum. 

Wie es mit der im vergangenen Jahr heftig diskutierten Bewirtschaftung der Edertalsperre weitergeht, die auftragsgemäß die Wasserstände von Weser und Mittellandkanal angleichen soll, ist weiter offen.

Im November hatte Jiri Cemus vom WSA angekündigt, dass im Frühjahr 2019 der fünfjährige Probebetrieb der „Triggerlinie“ ausgewertet wird. 

Dieses Pilotprojekt wurde 2014 als Kompromiss zwischen Edersee- und Weseranrainern vereinbart. Ziel ist es, in trockenen Sommern Wasser zu sparen. 

Parallel dazu wurde zusammen mit dem Regierungspräsidium Kassel und den Kraftwerksbetreibern vorübergehend die Reduzierung der Mindestabgabe von sechs auf vier Kubikmeter pro Sekunde erprobt.

Stützung der Weser ist ungewöhnlich früh nötig

Die Auswertung der Daten dauert noch an, sagte Yasmin Yazdi, Sachgebietsleiterin Verkehrswesen beim WSA, auf Anfrage unserer Zeitung. 

Die Stützung der Weser sei ungewöhnlich früh nötig geworden, was keine gute Ausgangssituation bilde, wenn es nicht regne. Die Abgabe aus dem Edersee orientiere sich weiterhin an einem Pegel von 1,20 Meter in Hann. Münden. 

Aufgrund von Ablagerungen habe sich der Flussgrund aber erhöht, sodass die 1,20 Meter nicht mehr stimmten und man den Zielwert wohl auf 1,23 bis 1,24 Meter korrigieren müsse.

Gestern Mittag lag der Weserpegel in Hann. Münden bei 1,26 Meter gegenüber 1,60 am 1. April. In Bad Karlshafen fiel der Pegel von 1,53 auf 1,12 Meter. 

Im gleichen Zeitraum sank der Wasserstand des Edersees um 0,8 Meter auf 243,76 Meter über Normal Null und lag damit um 1,20 Meter unter dem Vollstau. Das entspricht rund acht Mio. Kubikmeter Wasser. 

Alle Messpegel an Weser wie Talsperre fallen seit einer Woche konstant.

Mit dem Wasser steht und fällt alles

Die Schiffe der Flotte Weser in Hameln, die Rundfahrten bis Bad Karlshafen anbieten, haben trotz des Tiefgangs meist keine Probleme. In Hameln selbst gebe es durch den Rückstau vom Wehr genug Wasser. 

Dasselbe gilt für die Europa der Familie Rehbein in Hann. Münden, wo die Fuldaschleuse für genug Fahrwasser sorgt.

Die „Hessen“ in Bad Karlshafen kann als Flachgänger mit 58 Zentimeter Tiefgang länger fahren als andere Schiffe und hat erfreulich viele Buchungen für die Saison, berichtet Touristinfo-Leiterin Andrea Emmel. 

Wenn wieder zu wenig Wasser da sei, werde eben auf dem Schiff gefeiert, wenn es am Ufer festgemacht ist, auch wenn Fahren schöner sei. Emmel: „Mit dem Wasser steht und fällt alles“. 

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