Land sieht Energiegenossenschaft als Vorreiter für Hessen

Flächen für Windräder im Reinhardswald sind gepachtet

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Mit Sensen empfangen: Als Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) beim Forstamt in Reinhardshagen ankam, traten ihr die Windkraftgegner Jan Ciupa (links) und Tobias Seydler (rechts) entgegen, die sich als Sensenmänner kostümiert hatten. Sie sehen Hinz, die sich für Windkraftanlagen einsetzt, als Totengräber des Reinhardswalds.

Reinhardshagen. Es ist der nächste große Schritt auf dem Weg zu Windrädern im Reinhardswald: Die Landesbetrieb Hessen-Forst hat einen Pachtvertrag mit der Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) geschlossen.

Sie will 20 Windräder auf 800 Hektar Vorrangflächen am Langenberg und Farrenplatz bauen.

Zur Vertragsunterzeichnung im Forstamt in Reinhardshagen kam am Dienstag Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) extra aus Wiesbaden. Sie sieht die Zusammenarbeit der Anrainerkommunen als Prototyp für ähnliche kommunale Genossenschaften: „Es ist sinnvoll und richtig, wenn sich Kommunen zusammenschließen. Dann bleibt die Wertschöpfung besser im Raum als bei der Vergabe an freie Investoren.“ Regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung werde Hessen-Forst bei der Verpachtung von Windkraftflächen künftig besonders berücksichtigen, kündigte Hinz an.

Die anfänglich neun EGR-Kommunen hatten ursprünglich Windkraft im Reinhardswald generell abgelehnt. „Diesen Plan A haben wir konsequent verfolgt“, sagte der EGR-Vorstand und Grebensteiner Bürgermeister Danny Sutor. Da aber klar wurde, dass das Land in jedem Fall Windräder im Staatsforst zulassen werde, wolle die EGR die Energiewende verantwortungsvoll mitgestalten. „Wir können uns nicht auf ein bequemes Nein zurückziehen“, sagte Sutors Vorstandskollege Kai-Georg Bachmann (Bürgermeister Trendelburg), „nur durch die Energiegenossenschaft haben wir überhaupt die Möglichkeit, hier mitzubestimmen.“

Das sehen Windkraftgegner kritisch: Mitglieder der Interessengemeinschaft „Rettet den Reinhardswald“ protestierten vor dem Forstamt gegen die Vertragsunterzeichnung. Sie sehen finanzielle Interessen des Landes als Grund dafür, dass der Reinhardswald zerstört werde. Die EGR diene dabei als Akzeptanzbeschaffer. 

Hintergrund: Befürworter und Gegner

Die Energiegenossenschaft Reinhardswald (EGR) ist ein Zusammenschluss von ursprünglich neun Kommunen und dem Grebensteiner Windkraftentwickler Ralf Paschold. Ihr Ziel ist, Windkraft im Reinhardswald in Eigenregie zu verwirklichen, wenn sie nicht verhindert werden kann. Der EGR gehören derzeit Grebenstein, Immenhausen, Trendelburg, Wahlsburg, Bad Karlshafen und Fuldatal sowie Oberweser an, das aber den Ausstieg erwägt. Hofgeismar und Reinhardshagen sind bereits ausgetreten. Reinhardshagen bildet nun sogar mit der Stadt Hann. Münden, der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und mehreren Bürgerinitiativen der Oberweser-Region die Interessengemeinschaft „Rettet den Reinhardswald“. 

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