Forstamtschef über Handys und Reformen: „Dem Wald ist das wumpe“

Der Chef und sein Nachfolger: Dr. Norbert Teuwsen (links) und Dr. Markus Ziegeler. Ziegeler übernimmt am 1. November die Leitung des Forstamtes Reinhardshagen. Foto: Gehlen

Reinhardwald. Im Forstamt Reinhardshagen steht ein Führungswechsel an: Dr. Norbert Teuwsen wird im November in Pension gehen, Dr. Markus Ziegeler wird die Leitung dort übernehmen.

Auch wenn der Begriff „Altersmilde“ fiel - bei dem Reinhardshäger Forstamtschef Dr. Norbert Teuwsen war zwei Monate vor Dienstende wenig davon zu spüren: Mit launigen Bemerkungen schaute er bei den Reinhardswald-Kontakten auf 25 Jahre im Forstamt zurück und sparte nicht mit Spitzen.

„In diesem faszinierenden Waldgebiet zu arbeiten war ein Privileg, dies unbeschadet durch zwei Reformen zu überstehen ein Wunder“, sagte der 65-Jährige. Denn die Forstverwaltung hat in den vergangenen 25 Jahren drastische Veränderungen durchgemacht.

Dabei war schon der Dienstbeginn des streitbaren Forstamtschefs außergewöhnlich: Teuwsen war nur auf Platz 3 der Bewerber. Doch ein Streit zwischen den Konkurrenten machte den Weg frei für den gebürtigen Lüneburger.

Die Veränderungen, die er als Chef erlebte, waren enorm: Katastrophen wie Orkan Kyrill fügten dem Wald unfassbare Schäden zu und erschütterten den Holzmarkt. Der technische Fortschritt krempelte die Arbeit um: Erntemaschinen - die Harvester - kamen und reduzierten die Zahl der Waldarbeiter allein von 1990 bis heute von 191 auf 35. Und das Handy - laut Teuwsen ein Terrorinstrument - hielt Einzug in den Arbeitsalltag. Doch das Gute an allem sei: „Dem Wald ist das völlig wumpe“ - also egal.

Zäsuren für das Forstamt waren 1996 und 2005 wegen der Reformen: Bei der ersten wäre Reinhardshagen fast aufgelöst worden, die zweite hinterließ „tiefe Wunden beim Personal“. Es gab Stellenabbau und einige Revierleiter verloren ihre Reviere.

Die Zentralisierung durch den Landesbetrieb Hessen Forst führte zu einem hohen Zentralisierungsgrad, der Selbstständigkeit und Motivation der Mitarbeiter verringere. Auch Forstkritiker bekamen Fett weg: Diese wollten nicht akzeptieren, dass der Wald in der heutigen Form das Ergebnis von Jahrhunderten Forstwirtschaft sei - und zudem hätten sie daheim auch Holzmöbel. Diese „Wissens-Ignoranz“ werde von den Medien gern aufgegriffen und befeuert. Auch zur Wind- und Salzdebatte äußerte Teuwsen sich: Der Reinhardswald führe den Titel „Schatzhaus der Europäischen Wälder“, doch diese Einzigartigkeit reiche offenbar nicht, um ihn vor Windrädern und Salzleitungen zu schützen.

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