Letzte Ruhestätte für 16 000 Menschen

Große Nachfrage: Friedwald Reinhardswald wird 20 Jahre alt und bekommt Trostschaukel

Kleiner feierlicher Moment: Geschäftsführerin und Gründerin Petra Bach und Dr. Markus Ziegler, Forstamtsleiter, eröffnen gemeinsam die neue Trostschaukel im Friedwald Reinhardswald.
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Kleiner feierlicher Moment: Geschäftsführerin und Gründerin Petra Bach und Dr. Markus Ziegler, Forstamtsleiter, eröffnen gemeinsam die neue Trostschaukel im Friedwald Reinhardswald.

Als erster Bestattungswald in Deutschland wurde im November 2001 der Friedwald Reinhardswald eröffnet – und die Nachfrage nach der letzten Ruhestätte unter Bäumen ist ungebrochen.

Reinhardswald – Seit der Eröffnung haben sich 16 100 Menschen dafür entschieden, rund 7900 wurden schon beigesetzt. Der Friedwald ist zudem zum Vorbild für 75 weitere Standorte in ganz Deutschland geworden.

Unter Bäumen und in der Natur begraben werden: das ist seit 20 Jahren im Friedwald Reinhardswald möglich. Der Friedhof bietet einen Ort für Trost und Trauer – und das ohne Blumen, Kränze oder Kerzen. Die Natur schmückt die Gräber selbst.

Den Friedwald nach Deutschland bringen

Das Konzept kommt ursprünglich aus der Schweiz. Petra Bach, Geschäftsführerin und Friedwald-Gründerin, ist gelernte Juristin und hatte sich auf Familien- und Erbrecht spezialisiert. Bei ihrer Arbeit stieß sie zufällig auf das Thema Friedwald und setzte sich mit diesem auseinander.

„Erst haben wir nur in die Schweiz vermittelt“, erklärt Bach. Doch die Nachfrage sei so groß gewesen, dass sie das Konzept auch nach Deutschland bringen wollte.

„Wir hatten einen Bericht über den Reinhardswald im Fernsehen gesehen“, sagt sie. Das habe sie so schön gefunden, dass sie dort den ersten Friedwald eröffnen wollte.

Nachdem ihr Mitgesellschafter daraufhin das Forstamt Reinhardshagen kontaktiert hatte, stand der Eröffnung des ersten Ortes für Naturbestattungen nichts mehr im Wege – und das ist in diesem Jahr nun 20 Jahre her.

Trostschaukel als Geschenk zum 20-jährigen Jubiläum

Der Wald bietet Trost und Zuspruch. Inmitten der Natur können Angehörige, die einen geliebten Menschen verloren haben, trauern. Auf der Suche nach einem passenden Geburtstagsgeschenk für den Jubiläumswald sind die Mitarbeiter des Friedwalds auf eine Trostschaukel gestoßen.

Die Idee hatten sie vom Besuch einer Naturbegräbnisstätte in den Niederlanden. Auch im Friedwald Münsingen, in der Nähe von Stuttgart, steht eine solche Trostschaukel bereits – und seit Donnerstag nun auch im Friedwald Reinhardswald, wo sie eine Therapie-Möglichkeit für Angehörige bietet.

Ruheforst und Friedwald sind nicht das Gleiche

Der grundlegende Unterschied zwischen einem Ruheforst und einem Friedwald ist, dass bei Friedwäldern die Ruhestätten nur unter Bäumen gelegen sind. Im Ruheforst besteht zusätzlich die Möglichkeit einer Beisetzung unter Sträuchern und Steinen.

Für beide Begräbnisstätten werden biologisch abbaubare Urnen genutzt. Je nach Bodenbeschaffenheit dauert es bis zu fünf Jahre, bis eine Urne in der natürlichen Umgebung des Waldes abgebaut ist. (Kira Müller)

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