Aktionsbündnis Märchenland

Große Traueranzeigen-Aktion wegen geplanter Windräder im Reinhardswald

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Transparent vor dem Fridericianum: Mit einem Auto-Anhänger machten die Aktivisten die Passanten am Friedrichsplatz in Kassel auf das Thema aufmerksam. 

Reinhardshagen/Hofgeismar/Kassel. Der Reinhardswald ist tot – zumindest sehen es die Windkraftkritiker des Aktionsbündnisses Märchenland so.

Mit 80 Plakaten in Form von Traueranzeigen und einem großen mobilen Transparent protestieren die Aktivisten aus der Nordspitze gegen den geplanten Bau von Windkraftanlagen im Reinhardswald. Sie fürchten um den Wald in seiner Natürlichkeit, den Tourismus und die Tierwelt.

Es ist eine der größten Aktionen dieser Art bisher: An zahlreichen prominenten Orten in Nordhessen und Südniedersachsen hingen am Freitagmorgen plötzlich die Plakate, auf denen „R.I.P.“ (Abkürzung für lateinisch „Requiescat in pace“, Ruhe in Frieden), ein Windrad und „Der Reinhardswald“ zu sehen sind. Zu finden waren die Plakate unter anderem in Uslar, Hann. Münden, Reinhardshagen und Hofgeismar. In Kassel hingen sie beispielsweise vor der documenta-Halle und dem Gebäude des Hessen Forsts. Ein großes Transparent stand zeitweise vor dem Fridericianum.

Schild an der Bahnhofstraße in Hofgeismar: 80 solcher Plakate hatte das Aktionsbündnis drucken lassen. 

Als Todesdatum nennt das Aktionsbündnis den 7. Oktober. Der Grund: Damals hatten die Mitglieder der Regionalversammlung dem Teilregionalplan Energie zugestimmt. Der regelt, wo künftig Windräder in Nordhessen stehen können – unter anderem mitten im Reinhardswald. „Damit wurde dem Bau der Groß-Windkraftanlagen auf ausgedehnten Flächen, mitten im zukünftigen Naturpark Reinhardswald, sehenden Auges der Weg bereitet“, erklärt das Aktionsbündnis.

Während eine erste Fläche für 20 Windräder bei Reinhardshagen bereits an eine Bietergemeinschaft aus Südhessen vergeben wurde, wird über eine zweite bei Gottsbüren gerade verhandelt.

Mit der Kampagne wolle man für Aufmerksamkeit sorgen und zeigen, dass man den Reinhardswald nicht kampflos aufgebe, sagt Björn Zackenfels vom Aktionsbündnis Märchenland. Die Ansage gelte auch den Projektierern, die sich momentan an die Planung der Windkraftanlagen machen. Mehr Aufmerksamkeit für die Thematik sei nötig: Vor allem in Kassel sei das Interesse in der Vergangenheit leider gering gewesen: „Die Kasseler interessiert es erst, wenn die Windräder stehen und sie einen Ausflug zur Sababurg machen“, prognostiziert Zackenfels. Doch dann sei es zu spät.

Begleitet wird die Plakataktion durch eine Verbreitung der Traueranzeigen auf dem Postweg: 40 Postkarten gingen an Lokalpolitiker, Minister und Behörden. Auch Ministerpräsident Bouffier soll bei Besuchen in Nordhessen auf die Thematik immer wieder hingewiesen werden.

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