Ausweisung des Reinhardswaldes ist eine Chance

Interview mit Marco Lenarduzzi zu Naturpark-Plänen

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Erholung in der Freizeit: Der Wald wird als Ausflugsziel immer beliebter. Ein Naturpark Reinhardwald hätte den Touristen viel zu bieten. 

Reinhardshagen. Der Landkreis Kassel hat beschlossen, im Herbst dieses Jahres den Antrag für die Ausweisung des Reinhardswaldes als Naturpark zu stellen.

Wir haben Marco Lenarduzzi, Geschäftsführer des Naturparks Meißner-Kaufunger Wald, gefragt, was sich dadurch ändern könnte.

Herr Lenarduzzi, wann kann ein normaler Wald zum Naturpark erklärt werden?

Marco Lenarduzzi: Der Wald muss zu vierzig Prozent aus Naturschutz oder Landschaftschutzgebieten bestehen. Wenn diese Vorrausetzungen gegeben sind, kann man einen Naturpark gründen.

Welche Vorteile brächte ein Naturpark Reinhardswald?

Lenarduzzi: Naturparks sind hauptsächlich für die Regionalentwicklung wichtig. Es geht in erster Linie um einen naturverträglichen Tourismus. Dabei müssen natürlich die Naturschutzbelange im Auge behalten werden, aber im Bereich Land- und Forstwirtschaft würde sich nichts ändern. Wichtig ist dabei die entstehnde kommunenübergreifende Zusammenarbeit sowie die Kooperation der Akteure vor Ort.

Müssen Wanderer bei einem Naturpark Einschränkungen befürchten?

Lenarduzzi: Nein, ganz im Gegenteil. Es soll sich ein sanfter Tourismus entwickeln, dafür wollen wir die Wanderer aktiv in den Wald holen. Hierbei ist es wichtig, die Besucherströme gezielt zu lenken, zum Beispiel durch extra angelegte Wanderwege. Die Natur ist ein Reiseziel, es geht darum, sie zu nutzen und zu erhalten.

Wie sieht es mit Radfahrern aus?

Lenarduzzi: Auch in Bezug auf den Radsport hat die Umwandlung in einen Naturpark keinen Einfluss, das Mountainbiken wird nicht verboten werden. Man könnte das Radfahren vielmehr noch besser machen. Die Region soll sich schließlich nicht zurückentwickeln.

Ein Naturpark erhält Fördermittel. Wozu werden diese im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald genutzt?

Lenarduzzi: Wir haben viele spezielle Projekte. Es gibt zum Beispiel Barfußwege, es wurden auch neue Fahrrad- und Wanderwege bei uns angelegt. Auch bei der Umweltbildung wird viel getan. Wir bieten für Erwachsene und Kinder geführte Wanderungen an. Unser Ziel ist es, die Besucher für die Region feinfühlig zu machen. Dabei wird auch oft mit Schulen zusammengearbeitet.

Gäbe es Nachteile, wenn der Reinhardswald zum Naturpark erklärt würde?

Lenarduzzi: Nachteile gibt es keine. Der Reinhardswald ist für einen Naturpark sehr geeignet, schon die Sababurg ist ein ganz besonderes Merkmal. Es muss aber ein ganzheitliches Konzept bestehen, damit man aus der Marke Naturpark das Beste herausholen kann. Manche schaffen das nicht, aus dem Grund ist in Bezug auf den Reinhardswald auch die Zusammenarbeit mit Hessenforst besonders wichtig.

Werden bestimmte Schutzzonen für Tiere und Pflanzen eingerichtet?

Lenarduzzi: Ein Naturpark ist kein besonderes Naturschutzgebiet, deswegen werden über die bestehenden Schutzzonen keine weiteren Gebiete eingerichtet. Es werden also auch im Naturpark keine neuen Gebote oder Verbote entstehen.

Welchen Nutzen kann die Marke Naturpark für die regionalen Anbieter haben?

Lenarduzzi: An den Wanderwegen liegen häufig Betriebe, an denen die Touristen regionale Produkte kaufen können. Es wird also auch Wertschöpfung betrieben, wenn man es richtig macht. Dafür muss nur die richtige Vernetzung entstehen, damit die Möglichkeit auch genutzt wird.

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