1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hofgeismar
  4. Reinhardshagen

Viele Besucher beim VW-Soundorchestra in der Gießhalle in Reinhardshagen

Erstellt:

Von: Tanja Temme

Kommentare

Für das Konzert des VW-Soundorchesters am Freitagabend hatte der Kultursommer Nordhessen eine alte Gießhalle in Reinhardshagen ausgewählt. Dort herrschte eine ganz besondere Atmosphäre – passend zur Veranstaltung.
Für das Konzert des VW-Soundorchesters am Freitagabend hatte der Kultursommer Nordhessen eine alte Gießhalle in Reinhardshagen ausgewählt. Dort herrschte eine ganz besondere Atmosphäre – passend zur Veranstaltung. © Tanja Temme

Wenn Werkstatt-Krach zu Musik wird, ist das Volkswagen-Soundorchestra zu Gast. Auch bei ihrem Konzert am Freitag in der Gießhalle in Reinhardshagen zeigte die Formation ihr Können.

Reinhardshagen – Beim Auftritt tackerten zum Spiel der Instrumente rotierende Maschinen und der blecherne Klang von Autoteilen gab den Rhythmus an. An die Weser hatte der Kultursommer Nordhessen die Kasseler Formation gelockt, die dort im Rahmen der Veranstaltungsreihe auftraten.

Dass an diesem Abend kein gewöhnliches, sondern ein ganz besonderes Orchester auftreten wird, war spätestens klar, als Bandleiter Detlef Landeck das Publikum mit „Willkommen in der Spätschicht“ begrüßte und Soundkünstler Wolfram Spyra die Halle akustisch in eine VW-Werkhalle wandelte – ratternde, klappernde, schleifende oder dröhnende Laute abspielte.

Als kurz darauf die Instrumentalisten begannen zu musizieren und Perkussionist Olaf Pyras den Rhythmus etwa einer Tiguan-Motorhaube entlockte, verfestigte sich der Eindruck eines ganz besonderen Hörerlebnisses. Erst auf den zweiten Blick entdeckte man den Schlagwerker, hatte er sein Arsenal aus Gehäusen, Abgasrohren oder Antriebswellen doch im hinteren Bühnenbereich aufgebaut.
Überhörbar waren die von ihm erzeugten eigentümlichen Klänge allerdings nicht, sorgt er und sein Musikerkollege Spyra doch für den Industriesound des Orchesters.

Doch kurz ein Blick zurück: Vor sieben Jahren war Orchesterleiter Detlef Landeck in den Produktionshallen von VW unterwegs, um die dortigen Geräusche für ein Musikprojekt aufzunehmen. „Bei meinen Touren durchs Werk ist mir aufgefallen, dass nicht wenige der Mitarbeiter Instrumente spielen“, berichtet der Jazzposaunist.

Und darunter seien sogar Mitarbeiter gewesen, die Saz oder Bouzouki spielten. Mit seinem Musikerfreund Jens Dembowski schmiedete er nun den Plan eine Volkswagen-Musikgruppe zu gründen, ein Projekt, was vor sieben Jahren seinen Lauf nahm. Und so gründeten beide die 16-köpfige Gruppe, die auch in ihrer Besetzung ihresgleichen sucht, hat Landeck hier doch Instrumente zusammengebracht, die in herkömmlichen Orchestern nicht miteinander spielen.

„Eine Tuba spielt bei uns mit einer Saz, eine Trompete mit einer Bouzuki zusammen“, erklärt der Orchester-Chef, ganz bewusst sei man auch hierbei divers. Das Gros des Orchesters besteht aus Mitarbeitern von Volkswagen, die neben Landeck von drei weiteren Profis unterstützt werden.

Dass die Veranstalter kaum einen besseren Ort für den Auftritt hätte wählen können, freute die Musiker sehr. „Die Akustik und auch die Optik hier sind einfach klasse“, lobte Dembowski die Halle. 350 Gäste hatten den Weg hierher gefunden, genossen Stücke wie das „Steigerlied „“Wonderful world, „Summertime“, einen flotten Sirtaki oder auch zahlreiche Eigenkompositionen Landecks.

Jazzige Elemente wechselten da mit Reggae, Swing und Rock oder wie Landeck sagt: „Bei uns muss man mit allem rechnen – mal kommt ein Ländler und dann geht es rüber zu experimentellem Jazz.“

Wer den Auftritt verpasst hat, kann das Volkswagen-Soundorchestra am 21. Juli um 19 Uhr auf dem Friedrichsplatz in Kassel bei einem kostenfreien Open-Air erleben. „Eigentlich wollten wir schon auf der documenta im vergangenen Jahr spielen, doch diesmal hat es gleich mehrmals geklappt“, freut sich Landeck über den diesjährigen Sommer. (Tanja Temme)

Auch interessant

Kommentare