Damit Gülle nicht zum Himmel stinkt

Landwirte setzen Techniken ein, um Geruchsbelästigung zu verringern

Gülle-Ausbringung auf einem Feld: Das Bild zeigt einen Landwirt im Kreis Uelzen in Niedersachsen. Durch die Schläuche wird der flüssige Dünger direkt auf dem Boden ausgebracht. Das reduziert die Geruchsbelastung und verringert den Verlust von Nährstoffen, die sonst in die Luft entweichen würden.
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Gülle-Ausbringung auf einem Feld: Das Bild zeigt einen Landwirt im Kreis Uelzen in Niedersachsen. Durch die Schläuche wird der flüssige Dünger direkt auf dem Boden ausgebracht. Das reduziert die Geruchsbelastung und verringert den Verlust von Nährstoffen, die sonst in die Luft entweichen würden.

„Manche Leute denken, wir fahren Gülle, um Abfälle loszuwerden. Aber wir fahren Gülle, um Pflanzen zu ernähren,“ sagt Claus Baumgärtel.

Reinhardshagen - Auch der Landwirt aus Hilwartshausen, einem kleinen Stadtteil von Hann. Münden an der B80 gleich hinter der Kreis- und Landesgrenze, ist in den vergangenen Tagen viel mit dem Güllefass unterwegs gewesen.

„Kali, Phosphor – oder Gülle braucht jeder Landwirt zur Ernährung seiner Pflanzen“, erklärt Baumgärtel. Er bringt vor allem die Gärreste (das sogenannte Substrat) aus der Biogasanlage in Veckerhagen aus, die er gemeinsam mit zwei Kollegen betreibt. Früher habe er nur mit Mineraldünger gearbeitet, sagt der 47-jährige Landwirt. Ein Grund für die Beteiligung an der Biogasanlage sei die Nutzung des Substrats, das nach dem Gärprozess für die Energiegewinnung übrig bleibt. Das ermögliche eine Kreislaufwirtschaft. Er könne auch noch dessen Nährstoffe für die Pflanzen nutzen, die er anbaut. Gefüttert wird die Biogasanlage mit Silage (aus Gras oder Mais) und Mist von den Bullen, die er hält. Seitdem er die Gärreste auf seinen Feldern ausbringt, brauche er kaum noch Handelsdünger zuzukaufen.

Schleuderausbringung wird demnächst verboten.

Diese Form der Düngung ist gesetzlich geregelt. Damit der flüssige Dünger nicht ins Grundwasser gelangt, gibt es über den Winter eine Sperrfrist. Von der zweiten Oktoberhälfte bis Ende Januar ist die Ausbringung verboten.

Auf Grünland kann noch bis zum 1. November gefahren werden. In den „roten Gebieten“ gelten strengere Auflagen, sagt Baumgärtel. „Rote Gebiete“ sind nitratbelastete Flächen. Sie wurden ausgewiesen, damit Deutschland Auflagen der Europäischen Union zum Grundwasserschutz einhalten kann.

Nährstoffbedarf ermitteln

Beim Düngen mit Gülle müssen die Landwirte viel beachten. Für die jeweilige Fläche muss der Nährstoffbedarf ermittelt werden, damit der Boden nicht übersättigt wird. Die Bauern müssen die Feuchtigkeit berücksichtigen, damit Wasser den Stickstoff nicht ins Grundwasser spült. Und je nach Pflanze wird zu unterschiedlichen Zeiten gedüngt.

Einschränkungen gibt es, wenn es friert. Landwirte dürfen die Gülle dann nicht mehr ausbringen. Gerade diese Einschränkung erschwere die Arbeit, bedauern Baumgärtel wie auch Jörg Kramm, der stellvertretende Vorsitzende des Regionalbauernverbandes. Denn auf leicht gefrorenem Boden könnten die Gespanne gut fahren, ohne die Bodenoberfläche zu belasten.

Gülle per Schleppschlauch aufgetragen

Daneben müssen die Bauern weitere Vorschriften beachten, zum Beispiel für Schonstreifen an Gewässern. Bis in den April werde meist Gülle ausgebracht. Wegen der Einschränkungen werde inzwischen im Frühjahr mehr Gülle gefahren, sagt Baumgärtel.

Landwirt Claus Baumgärtel vom Gut Hilwartshausen vor einem Güllefass, das 11.500 Liter Inhalt fasst. Mit dem Gärsubstrat ernährt er seine Pflanzen.

Um die Geruchsbelästigung in der Umgebung weiter zu verringern und die Nährstoffe besser zu nutzen, hat sich in den vergangenen Jahren in der Düngetechnik viel geändert. Wurde früher die Gülle oft in hohem Bogen auf das Feld gespritzt, arbeiten die Landwirte heute meist mit der Schleppschlauch-Technik.

Große Gestänge an den Güllefässern tragen Schläuche. Durch diese wird der flüssige Dünger direkt auf dem Boden ausgebracht (Schleppschläuche) oder oberflächlich eingearbeitet (Schleppschuhe). Das verhindere, dass Nährstoffe in die Luft entweichen, erklären Baumgärtel und Kramm. Gleichzeitig nehme man dadurch den intensiven Geruch der Gülle so deutlich weniger wahr. Die weithin bekannte Schleuder-Ausbringung rieche deutlich mehr und verursache auch größere Nährstoffverluste, erklärt Kramm. Sie werde kaum noch eingesetzt und sei demnächst verboten. Derzeit gebe es Übergangsfristen.

Der Grebensteiner Kramm hat eine pragmatische Beschreibung zum Thema Gülle und dem damit nun mal verbundenen Geruch gefunden: „Schweinegülle stinkt, weil wir gerne Schnitzel essen. Und Gärsubstrat riecht, weil wir von der Atomkraft wegwollen.“ (Bernd Schünemann)

Starker Frost hat Pflanzen nicht geschadet

Der starke Frost im Februar habe den Pflanzen nicht geschadet, sagt Jörg Kramm, stellvertretender Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Kurhessen. Die dicke Schneedecke habe die Pflanzen gut geschützt.

Im Gegenteil: Der Frost habe für Bodengare gesorgt. Das bedeutet laut Wikipedia den „Idealzustands eines fruchtbaren Bodens“. Durch den Frost werde der „optimale physikalische, chemische und biologische Zustand der Ackerkrume“ erreicht. Auch der Niederschlag in den vergangenen Wochen habe dem Boden gut getan, erklärt Kramm. Die Pflanzen seien mit Feuchtigkeit versorgt worden. Das Wasser habe den Boden bis zu 40 Zentimetern durchfeuchtet.

Nach seinen Erfahrungen „stehen die Bestände gut nach dem Winter“. Auch Raps sei gut durch die kalte Jahreszeit gekommen, ergänzte Kramm.

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