Als Hochzeitsredner unterwegs

Vom Bürgermeister in Reinhardshagen  in viele japanische Fotoalben

Idylle: Auf der Terrasse, in seinem Garten oder bei Spaziergängen mit Hunden und Frau genießt der frühere Bürgermeister Lothar Merkwirth seine Freizeit. Langeweile kommt aber nicht auf. Er hat zahlreiche Tätigkeitsbereiche, die er bedient. Die Stockrose im Hintergrund erhielt er beispielsweise von einer Witwe, deren Mann er acht Monate als ehrenamtlicher Hospizmitarbeiter begleitete. Foto: Rieß

Reinhardshagen. Wenn manch japanisches Ehepaar in seinem Hochzeitsalbum blättert, lächelt ihnen Lothar Merkwirth (66) entgegen. Und das hat einen einfachen Grund.

Die Motive sind malerisch: Vor der Kulisse der Heidelberger Schlosskapelle, vor Schloss Marienburg oder vor einer weißen Kutsche auf der Insel Mainau.

„In Japan“, so erzählt der frühere Bürgermeister von Reinhardshagen, gebe es keine richtige Hochzeitszeremonie, so wie in Deutschland. Einige Japaner würden diese Zeremonie dann quasi in Deutschland nachholen und die „Trauung“, die eigentlich keine richtige ist, mit der Hochzeitsreise nach Europa verbinden. Und für die Hochzeitsrede ist dann Merkwirth verantwortlich. Durch Zufall sei eine in Oberhausen ansässige Agentur auf ihn aufmerksam geworden - und seither werde er immer mal wieder angefragt.

„Es macht Spaß“, sagt er, und manchmal verbindet er die Reise zu den romantischen Orten der japanischen Hochzeit mit einem Kurzurlaub mit seiner Frau Helga, die zu Bürgermeisterzeiten seine vermutlich wichtigste Beraterin war.

Dass er 2008 als Bürgermeister aufhörte, hat Merkwirth nie bereut. „Nach 24 Jahren in dem Amt war es genau der richtige Zeitpunkt“, sagt er rückblickend: „Ich war darauf vorbereitet. Auch innerlich.“

In das so genannte Rentnerloch fiel er deshalb nicht. „Ich habe einen großen Garten und eine gemütliche Terrasse“, meint er zu seiner grünen Oase. Dort genießt er die Freizeit. Jene, die er hat, denn Merkwirth ist in vielen Bereichen aktiv, nicht nur als Redner für japanische Hochzeitspaare.

Seinen Lehrauftrag an der Verwaltungsschule und der Feuerwehrschule hat er auch nach seiner Pensionierung beibehalten. Und zudem hat er sich in ein Gebiet eingearbeitet, das eigentlich eine Frauendomäne ist: den Hospizdienst. Er begleite Sterbende ambulant, sagt er. Nicht alle, die im Hospiz in Kassel einen stationären Platz wünschten, könnten untergebracht werden.

Deshalb würde sie zu Hause betreut. Es ist ein ehrenamtlicher Dienst, der Einfühlungsvermögen bedarf. „Ja“, sagt er, manchmal gehe es einem sehr nahe. Zum Beispiel jener Fall, in dem der Betreute nur einen Monat älter war als er selbst. Mit dem Sterben hat noch eine weitere Tätigkeit Merkwirths zu tun: Er ist Trauerredner.

Doch diese Tätigkeiten nehmen ihn nicht mehr rund um die Uhr in Anspruch, wie früher das Bürgermeisteramt. Nutznießerin ist seine noch berufstätige Frau Helga. „Seit er in Ruhestand ist, musste ich kaum noch kochen.“

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