Seltene Tierarten

Luchs und Storch sind im Reinhardswald in eine Foto-Falle getappt 

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In die Fotofalle getappt: ein Schwarzstorch auf einem Weg im Reinhardswald bei der Nahrungssuche an Wasserpfützen.

Reinhardshagen. Die Fotofallen im Reinhardswald sind ursprünglich aufgestellt worden, um ein mögliches Vorkommen von Luchsen zu beweisen.

Deshalb staunten die Mitarbeiter des Luchsprojektes bei einer Routinekontrolle der elektronischen Kameras nicht schlecht, als sie einen Schwarzstorch auf einer Aufnahme zu sehen bekamen.

Wer einen Schwarzstorch sehen will, muss sehr viel Glück haben. Laut Klemens Kahle vom Forstamt Reinhardshagen sind die Tiere sehr „heimliche Vögel“. Das heißt, sie bewegen sich unauffällig, sind äußerst vorsichtig und meiden Menschen. 

„Die geringste Störung kann sie davon abhalten, ihren Horst an einer bestimmten Stelle zu bauen.“ Unter anderem wegen dieser Eigenschaften leben Schwarzstörche im geschützten Wald. Weißstörche dagegen schätzen freie Landschaften und haben kein Problem mit der Nähe von Menschen.

„Auf dem etwas unscharfen Foto spaziert der Storch auf einem Erdweg und kontrolliert die Wasserpfützen auf etwas Fressbares wie Molche oder Frösche“, sagt Kahle.

Der Schwarzstorch ist, wie der Luchs, eine geschützte Art nach Naturschutzrecht mit hohen Ansprüchen an seinen Lebensraum. Als Zugvogel kehrt er oft in den selben Horst zurück, wenn die Bedingungen stimmen, sagt Kahle. 

Er bevorzuge als Waldstorch ausgedehnte ruhige Waldgebiete mit Bächen, Teichen und Feuchtgebieten. Seine Lieblingsspeise seien Fische. Aber auch Amphibien stünden auf dem Speiseplan. „Die Bedingungen hier im Reinhardswald scheinen für den Schwarzstorch zu passen.“

Das Vorkommen in Hessen werde auf knapp über 50 Brutpaare geschätzt. Vor 50 Jahren seien es noch etwa 20 deutschlandweit gewesen. „Dem Forstamt Reinhardshagen ist ein Brutpaar und der Horst bekannt. Das Storchenpaar hat, wie auch im vergangenen Jahr, drei kräftige Jungvögel großgezogen, die kurz vor dem Ausfliegen sind“, so Kahle. 

Neben dem Schwarzstorch ist aber auch ein Luchs in die Fotofalle getappt. Ob es sich dabei um ein junges oder ein älteres Tier handelt, welches Geschlecht es hat und wo es herkommt, lässt sich laut Forstamt leider nicht sagen. Auch werde sich erst noch zeigen, ob sich der Luchs dauerhaft im Reinhardswald niederlassen wird.

Seit Herbst 2014 wird die kleine Teilpopulation des eurasischen Luchses in Nordhessen erforscht. Das Luchsmonitoring wird finanziert durch die Heinz-Sielmann Stiftung und die Bürgerstiftung Kassel. 

STECKBRIEFE

Der eurasische Luchs 

Wissenschaftlicher Name: Lynx lynx 

Maße und Gewicht: Kopfrumpflänge zwischen 80 und 120 Zentimetern, Schulterhöhe 50 bis 70 Zentimenter, 15 bis 35 Kilogramm schwer, je nach Geschlecht und Größe 

Aussehen: Pinselohren, kurzer Schwanz, hellbraunes Fell, an einigen Stellen gefleckt 

Gefährdung: stark gefährdet 

Nahrung: Fleisch, also zum Beispiel Ratten, Rotfüchse, Kaninchen und Rehe Jagdverhalten: Pirscht sich auf wenige Meter an seine Beute heran und tötet meist ohne langen Kampf

Der Schwarzstorch

Wissenschaftlicher Name: Ciconia nigra 

Maße und Gewicht: Länge 100 Zentimeter, Spannweite bis zu zwei Metern, bis zu drei Kilo schwer 

Aussehen: Oberseite, Kopf, Hals und Vorderbrust sind metallisch glänzend schwarz, das Gefieder schillert metallisch, Beine und Schnabel bei älteren Tieren rot, bei Jungtieren hellbraun 

Gefährdung: gilt derzeit als nicht gefährdet (Rote Liste Deutschland) 

Nahrung: Fische, Amphibien 

Besondere Eigenschaft: sehr scheu, lebt ausschließlich im Wald

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