Keine Spuren mehr seit Sommer

Luchse sind aus dem Reinhardswald ausgewandert

Zwei junge Luchse beobachten den Fotografen.
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Neugieriger Nachwuchs: Dieses Foto der jungen Luchse gelang vor etwa einem Jahr dem zuständigen Revierförster Christoph Vadersen im Reinhardswald.

Die Nachricht kam kurz vor Weihnachten 2019: „In Nordhessen zieht wieder ein Luchsweibchen Nachwuchs groß“, berichtete Umweltministerin Priska Hinz.

Sie ergänzte: „Es ist unser Ziel, dass der Luchs wieder ein fester Bestandteil der hessischen Tierwelt wird.“

Wie Mitarbeiter des Luchsprojektes der Universität Göttingen herausfanden, waren diese Luchse im Reinhardswald gewissermaßen nur zu Besuch gewesen. Anhand von Fotos konnten die Forscher nachweisen, dass die vier Jungtiere mit ihrer Mutter aus dem Solling stammten und ausgedehnte Streifzüge in den Reinhardswald unternommen hatten. Dabei waren sie mehrfach beobachtet und fotografiert worden.

Noch ist es zu einer dauerhaften Ansiedlung im Reinhardswald nicht gekommen. Zwei der jungen Solling-Luchse waren wiedergekommen. Sie wurden bis zum Sommer mehrfach von Wildkameras des Luchsprojektes fotografiert, berichtet Mitarbeiter Dr. Markus Port. Seither fehlt von ihnen aber jede Spur.

Baustellen könnten Tiere fernhalten

Es stellt sich aber Frage, ob die Luchse heimisch werden, wenn im Reinhardswald Windkraftanlagen gebaut werden. „Kritisch ist die Bauphase“, sagt Port. Es sei nicht auszuschließen, dass die Unruhe an den Baustellen die Tiere fernhalten könnte.

Das größte zusammenhängende Waldgebiet Hessens gilt als Verbindung von Niedersachsen: Dort leben Luchse und sind in den vergangenen Jahren immer wieder zugewandert. Bisher vor allem aus dem Harz, dem ersten Ansiedlungsprojekt für die Großkatzen in Norddeutschland. Aber auch aus dem Solling, wo Luchse inzwischen ebenfalls leben. Das zeigten die Besuche der Sollinger Luchsfamilie.

Die nordhessische Population im Kaufunger Wald war die erste in Deutschland, die ohne menschliche Hilfe entstanden war. Auch im Reinhardswald würde eine Ansiedlung ohne menschliche Hilfe geschehen. Wegen ihrer Lage sind die Gebiete wichtig. Sie könnten als Trittsteine zur weiteren Besiedlung Hessens dienen. Wenn im Reinhardswald Windkraftanlagen gebaut werden, scheint das für dieses Gebiet aber fraglich zu sein.

22 Wildkameras

Insgesamt 22 Wildkameras hat das Göttinger Luchsprojekt mit Unterstützung des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie im Reinhardswald und im hessischen Teil des Bramwalds installiert. Die Kameras haben die jungen Luchse bis Sommer unter anderem im Bereich des Gahrenbergs und im südlichen Teil des Reinhardswalds fotografiert. Unterstützt wird das Forschungsprojekt von der Kurt & Maria-Dohle-Stiftung.

Bisher haben die Göttinger Wissenschaftler keine Hinweise, wohin die Jungtiere abgewandert sein könnten. Von der Mutter im Solling gibt es seit Februar ebenfalls keine Spuren mehr. Auch aus dem Gebiet südöstlich von Kassel (Kaufunger Wald) gibt es seit längerem keine Hinweise auf Luchse. Dort hatte sich ein kleiner Bestand etabliert. Einige Tiere sind möglicherweise der Fuchsräude zum Opfer gefallen, andere sind abgewandert. (Bernd Schünemann)

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