Neubepflanzung für 2,4 Millionen Euro

Mehr Mischwald dank Orkan Kyrill

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Knochenarbeit im Reinhardswald: Der Pole Janusz Dewonkowski befreite die Fichten von ihren Ästen. Sehr mühsam war die Arbeit an diesem steilen Hang.

Reinhardshagen. Vor zehn Jahren tobte Orkan Kyrill am 18. Januar 2007 mit Windstärken bis zu 225 km/h über Deutschland. Doch die Zerstörung ebnete auch den Weg zu mehr Stabilität. 

Laut dem Hessen Forst war insbesondere Nordhessen betroffen. Doch der Orkan hatte nicht nur Nachteile, so Klemens Kahle, Pressebeauftragter des Forstamts in Reinhardshagen.

Im Reinhardswald sorgte der Orkan auf einer Fläche von 2400 Hektar für 270 000 Festmeter Schadholz. „Das Forstamt darf in einem Jahr nur 140 000 Festmeter Holz einschlagen“, so Kahle, „durch den Sturm hatten wir also quasi innerhalb von einem Tag die doppelte Menge an Holz.“

95 Prozent der zerstörten Bäume im Reinhardswald gehörten zu den Nadelholzen, so Kahle. Laubholzbäume, wie beispielsweise Buchen, haben im Winter kein Laub und bieten dem Sturm damit weniger Angriffsfläche.

Die Zerstörung durch den Orkan hat auch Vorteile für die Tier- und Pflanzenwelt mit sich gebracht, sagt Kahle. „Für bestimmte Vögel, Insekten und auch kleine Säugetiere sind die frei gewordenen Flächen auf einmal ein super Biotop.“ Dadurch, dass mehr Licht am Boden ankommt, können mehr Gräser und Sträucher gedeihen. Problematisch werde es vor allem für Vögel, wenn mit den Bäumen auch die Höhlen zerstört werden. „Ein Specht kann sich keine Höhle zimmern, wenn das Holz auf dem Boden liegt und anschließend weggeräumt wird.“

Holz ging nicht verloren

Ein Großteil des Schadholzes ging nicht verloren, sondern wurde für die Holzindustrie verwertet. Ein Problem sei die plötzliche Masse schon gewesen, so Kahle. „Durch das Überangebot ist der Preis für Holz teilweise gesunken.“ Man habe versucht, die Entwertung des Holzes durch Konservierung zu verhindern. Über mehrere Jahre wurde das vom Sturm gebrochene Holz eingelagert. „Man hat das Holz beispielsweise in Nasslager gebracht, wo es künstlich mit Wasser beregnet wurde“, erklärt Kahle.

Holz eingelagert: In Reinhardshagen wurde das Schadholz unter anderem in Folienlager gebracht. Dort wurde es luftdicht mit schwarzen Folien abgepackt und blieb so erhalten.

Die Aufräumarbeiten nach Kyrill dauerten im Bereich Reinhardshagen etwa drei Jahre. Auch hier beschleunigte der Orkan eine Entwicklung, die schon vor 30 Jahren begonnen hat: Den Waldumbau hin zum Mischwald.

„Es mussten auf 300 Hektar Land künstlich Bäume neu gepflanzt werden.“ Die Kosten hierfür lagen bei etwa 2,4 Millionen Euro. Ob man einen Wald auf einen Sturm ähnlichen Ausmaßes vorbereiten könne? „Der Sturm hat damals selbst Eichen zerstört, denen eigentlich nichts etwas anhaben kann“, sagt Kahle. Sie sind besonders sturmfest wegen ihrer tiefen Wurzeln, die selbst in harte Bodenschichten vordringen.

„Vor extremen Orkanen ist kein Wald geschützt“, so Kahle, „man ist aber sicherlich besser aufgestellt.“ Die Kombination aus Nadelholz und Laubbäumen, wie der starken Eiche, mache einen Wald besonders stabil.

Auf Klimawandel reagiert

„Nach Kyrill hat man auch die Chance ergriffen, auf den Klimawandel zu reagieren.“ Statt Fichten wurden beispielsweise Douglasien gepflanzt, die mit Trockenheit besser umgehen können und Wärme liebend sind. Auch die Weißtanne und Eichenarten gehören dazu. Somit wurden Baumarten eingebracht, die besser auf die Klimaerwärmung vorbereitet sind.

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