Sanierungen bis Frühling

Nach 244 Jahren: Brücken bei Reinhardshagen stabiler als gedacht

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Teilweise abgetragen: Die alten Brücken – hier der kleinere Grundwasserablass nahe der Hemelmühle – wurden bis auf die Gewölbe und die Fundamente abgetragen. Darüber entsteht ein moderner Überbau aus Stahlbeton, an den die alte Brückenkonstruktion von unten verankert wird. Außen wird der Bau wieder mit historischen Steinen verkleidet. Diese Woche soll betoniert werden. 

Reinhardshagen. Für die meisten Passanten ist es nur ein Haufen aufgeschichteter Steine, doch für Diplom-Ingenieur Vincent Schotzik vom Hessen Mobil Straßen- und Verkehrsmanagement ist es eine architektonische Meisterleistung. „Es ist toll, was die vor 244 Jahren da konstruiert und gebaut haben. Das hätten wir nicht gedacht.“

Denn als im Sommer die Sanierung der beiden historischen Sandstein-Gewölbebrücken in der alten Kasseler Landstraße von Veckerhagen Richtung Hemelberg begann, da war es ein großes Geheimnis, was neben den sichtbaren Bauteilen seit 1792 noch alles im Boden steckte.

Die Planer von heute mussten sich, wie der Mitarbeiter des Straßen- und Verkehrsmanagements Hessen Mobil erklärt, bei ihrer Neubauplanung auf einige alte Pläne verlassen, die aber nicht korrekt waren, wie sich jetzt herausstellte. Denn beide Brücken haben wegen des soliden Untergrunds kaum Fundamente – die Lasten der Gewölbe werden an den Seiten stattdessen von massiven Stützpfeilern im Boden abgefangen.

Deshalb musste nach den ersten Aufgrabungen und dem Ziehen von Suchgräben die Planung überarbeitet werden, was fast vier Wochen dauerte. Die Baustelle ruhte notgedrungen. Erst dann stand fest, wie die endgültigen Konstruktionen aussehen müssen.

Es zeigte sich, dass die alten Brücken praktisch keine Gründungen benötigten, weil der Boden aus Sandstein und Weserkieslagen sehr stabil war, was Kernbohrungen im Vorfeld der aktuellen Arbeiten bestätigten, wie Hessen Mobil-Pressesprecher Horst Sinemus auf Anfrage sagte.

Nach dem Abtragen der Brüstungen und Teilen der Böschungsmauern werden die wegen Schäden abgebrochenen Teile der Fronten wieder aufgemauert. Dazu wurden die alten Steine nummeriert, damit sie an den Originalstellen wieder eingebaut werden können. Einige Steine werden neu gefertigt. Um kein Risiko einzugehen, werden die alten Gewölbe allerdings keine Lasten mehr tragen müssen. Sie werden mit neuen Betonbauwerken überbaut, die dann die Verkehrslasten tragen und in den Boden ableiten. Die Brücken werden nicht breiter, aber die Fahrbahn nutzt die Flächen künftig besser aus.

Das Betonieren der kleineren, östlichen Brücke beginnt am Donnerstag dieser Woche, die zweite Brücke folgt im nächsten Jahr. Fertigstellung soll im Frühjahr sein.

Vincent Schotzik ist weiterhin beeindruckt. Die alten Brücken mussten die meiste Zeit nur Kutschen und Ochsenwagen tragen. Heute brummen Lkw mit 40 und demnächst 60 Tonnen über die Straßen. Ob heutige Brücken ebenfalls 250 Jahre halten, ist eine andere Frage. Da braucht man ganz andere Kaliber.

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