Naturwald Reinhardswald

Forstamt stellt Pläne für Weserhänge vor

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Blick in den bestehenden Naturwald: Etwa 500 Hektar an den Weserhängen sind bereits Naturwald. Die ersten Flächen wurden 1997 ausgewiesen und werden seither nicht mehr bewirtschaftet. Dort kann sich der Wald ohne menschliche Eingriffe entwickeln. 

Der Naturwald an den Weserhängen bei Reinhardshagen soll vergrößert werden. Das Forstamt hat die Pläne vorgestellt. Im April will das Umweltministerium endgültig entscheiden.

Wenn die Kernflächen im Reinhardswald wie geplant vergrößert werden, dann wird der neue Naturwald der größte im hessischen Staatsforstbetrieb. Das berichtete Stefan Nowack, Abteilungsleiter Waldentwicklung bei Hessenforst, bei der Informationsveranstaltung im Forstamt Reinhardshagen.

Das Amt stellte dort Verbänden und Anliegern die Pläne für die Flächen an den Weserhängen vor, die der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Wie schon berichtet, will das Land Hessen im April neue oder erweiterte Naturwaldgebiete öffentlich bekanntgeben. Ende Januar auf Landesebene wie jetzt regional im Forstamt wurden die Pläne erläutert.

Schutzgemeinschaft sieht Pläne kritisch

Künftig sollen die bestehenden und die neuen Kernflächen – wie die Forstleute die Gebiete nennen – insgesamt zehn Prozent des Staatswaldes ausmachen, sagte Nowack in Reinhardshagen. Im Sommer 2018 hatten sechs Naturschutzverbände in einem gemeinsamen Papier 25 Gebiete in Hessen dazu vorgeschlagen. Diese Vorschläge waren für Hessenforst wichtige Grundlage bei der Gebietsauswahl.

Im Forstamt gab es weitgehend Zustimmung zu den Plänen. Der ehemalige Trendelburger Bürgermeister Bernhard Klug, Landesvorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), wollte denen allerdings nicht folgen. Die Schutzgemeinschaft schließe sich den Vorschlägen der Naturschutzverbände nicht an. Sein Verband vertrete die „Trittstein-Philosophie“.

Statt weniger großer Flächen sollten viele kleine Gebiete von der Nutzung ausgenommen werden. Mit diesen Trittsteinen könne aus Sicht der SDW eine bessere Vernetzung der Lebensräume erreicht werden. Das würde Tieren, die nur kurze Distanzen zurücklegen können, das Überleben erleichtern. Die Schutzgemeinschaft wolle außerdem die künftigen Einnahmeverluste durch die Aufgabe der Bewirtschaftung in dem Naturwald-Gebiet berechnen, sagte Klug.

Entstehung des Urwalds miterleben

Mit Zurückhaltung beobachten außerdem einige holzverarbeitende Betriebe die Entwicklung: Sie verlieren nahegelegene Standorte, auf denen Holz für ihre Produktion nachwächst.

Auf einen Aspekt wies Forstamtsleiter Dr. Markus Ziegeler hin, der auch stellvertretender Vorsitzender des Naturparks Reinhardswald ist: Ein erweiterter Naturwald an den Weserhängen mache „die natürliche Dynamik der Waldentwicklung erlebbar“. Das sei ein wichtiger Faktor für den Naturpark. Besucher könnten dort über viele Jahre hinweg das Entstehen eines jungen Urwaldes miterleben.

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