Im Interview: Jutta Sallwey backt wöchentlich 

Reinardshägerin macht Hospiz-Gästen mit ihren Kuchen eine Freude

Jutta Sallwey arbeitet ehrenamtlich im Hospiz und sie bringt jeden Montag frisch gebackenen Kuchen für die Gäste und die Angehörigen mit. Foto: Siebert

Reinhardshagen. Seit fünf Jahren arbeitet Jutta Sallwey (69) aus Reinhardshagen ehrenamtlich im Hospiz Hann. Münden. Da fühlt sie sich wohl. Wir haben mit ihr über ihre Arbeit gesprochen. 

Jutta Sallwey arbeitet jeden Montag von 15 bis 19 Uhr im Hospiz Hann.Münden. Gerne schenkt sie ihre Zeit den Gästen im Hospiz, denn sie haben das Hoffen nicht ganz aufgegeben. „Nur ist es nicht das Hoffen auf Leben, sondern das Hoffen auf den nächsten Tag, auf lieben Besuch, der Wunsch nach einem Lieblingsessen. Soweit es machbar ist werden die Wünsche gerne erfüllt“, berichtet Jutta Sallwey.

Es wird auch zusammen geredet und gelacht, wie in einer Familie. Für Jutta Sallwey ist es wichtig, dass Menschen die Hemmschwelle zum Hospiz abbauen. Sie hat den Beruf der Krankenschwester gelernt.

Nach der Geburt des zweiten Sohnes machten sie und ihr Mann sich mit einem Omnibusbetrieb selbstständig. Sie machte auch den Busführerschein und war viel unterwegs. Nun im Ruhestand kommt sie nach über 40 Jahren wieder mit ihrem erlernten Beruf in Kontakt.

Frau Sallwey, wann war der erste Kontakt zum Mündener Hospiz?

Jutta Sallwey: Im Februar 2013 besuchte ich eine Glaubensschwester unserer Neuapostolischen Gemeinde aus Oberweser. Sie verbrachte dort ihren letzten Lebensabschnitt. Sie und ihr Ehemann freuten sich über meine regelmäßigen Besuche. Ich wollte nicht mit leeren Händen kommen und fragte nach Wünschen, die ich erfüllen könnte. „Würdest du für die Hospizgäste mal einen Kuchen backen, das kommt bei Gästen und Angehörigen immer gut an“ wurde mir gesagt. Damit begann mein fester Kontakt mit dem Hospiz und somit auch der „Kuchen-Montag“, der nun schon seit fünf Jahren ein fester Bestandteil ist.

Wie kamen Sie zu diesem Ehrenamt?

Sallwey: Die damalige Leiterin Manuela Brandt-Durlach fragte mich nach meinen regelmäßigen Besuchen ob ich mir eine Mitarbeit im Ehrenamt vorstellen könnte. Das konnte ich mir gut, denn mein Berufswunsch als Krankenschwester zu arbeiten war für mich vor der Selbstständigkeit eine Berufung.

Muss man sich für diese ehrenamtliche Arbeit qualifizieren?

Sallwey: Ja, vom August 2013 bis Juli 2014 habe ich an einer Qualifizierungsmaßnahme teilgenommen. Die Ausbildung umfasste 86 Stunden theoretischen Unterricht und viele Stunden Praktikumsbegleitung.

Ist das nicht ein trauriges Ehrenamt?

Sallwey: Für mich ist es eine Bereicherung, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Ich bin dankbar, dass ich das darf und kann. Es ist ein gutes Gefühl, etwas für andere zu tun.

Kann man privat die Hospizarbeit einfach so abschütteln?

Sallwey: Nein, man denkt schon öfter nach. Doch Gruppentreffen und Supervisionen, Gespräche mit Haupt- und Ehrenamtlichen stärken mich immer wieder neu.

Gibt es Erinnerungen aus ihrer Arbeit, die sie nie vergessen werden?

Sallwey: Da war beispielsweise ein zehnjähriges Enkelkind, das darauf bestand, die Nacht vor Heiligabend bei der Oma im Hospiz zu verbringen, weil die Oma immer für es da gewesen ist. Gerne denke ich an einen Gast zurück, dem es im Leben nie so gut ging. Er bedankte sich so oft und sagte, dass er es nie für möglich gehalten hätte, dass man so liebevoll von fremden Menschen umsorgt wird.

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