Treibjagd-Reportage

Reinhardswald im Jahresverlauf: Im Regen bleibt das Jagdglück aus

+
Ein Wildschwein, ein Reh: Wurden früher alle erlegten Tiere auf die Strecke gelegt, ist es heute nur noch eines für jede erlegte Art. Aus Gründen der Wildbrethygiene sollen die erlegten Stücke so schnell als möglich aufgebrochen und gesäubert an den Haken kommen. 

Er ist Wirtschaftswald und Erholungswald. Der Reinhardswald ist auch das größte Jagdgebiet Hessens. Zum Jahresende lädt das Forstamt Reinhardshagen hier zu großen Treibjagden ein.

Das Wetter am 10. Dezember ist wie gemacht für die Jagd. Temperaturen knapp über null Grad und Sonnenschein fast den ganzen Tag über. An die 70 Schützen beziehen am Morgen Stellung auf ihren Drückjagdböcken. 

Auch für die Treiber, die mit ihren Hunden das Wild aus den Einständen treiben sollen, sind die Bedingungen ideal. Beim Streifen durchs Unterholz bleibt die Kleidung trocken und die Motivation hoch. An solchen Tagen macht es einfach Spaß im Wald zu sein.

100 Stück Wild liegen auf der Strecke

So gut wie die Bedingungen, ist am Ende auch das Ergebnis: 100 Stück Wild liegen am Nachmittag auf der Strecke. Rotwild, Rehwild und 87 Stück Schwarzwild. Rechnerisch kommen auf jeden Jäger fast 1,5 Stück Wild. Echtes Waidmannsglück.

Der Bericht über das tolle Ergebnis des Vortages stimmen mich zuversichtlich. Ich gehe davon aus, dass auch am nächsten Tag, an dem ich an der Treibjagd teilnehmen werde, wiederum ordentlich Strecke gemacht werden kann. 

Jagd ist wichtig für Genesung und Erhaltung des Walds

Der Fernsehbericht vom Abend, in dem Professor Lesch in seinem „Kosmos“ erläutert, wie wichtig die Jagd für die Gesundung und Erhaltung des Waldes und des Wildes in den schwierigen Zeiten des Klimawandels ist, motivieren mich zusätzlich. Und so packe ich am frühen Morgen Proviant in meinen Rucksack, schultere die Büchse und mache mich auf ins Revier Beberbeck.

Wildbrethygiene: Forstamtsmitarbeiter Rainer Stucke und Kai Meimbresse versorgen auf dem Wildwagen ein erlegtes Reh.

Regen fällt ununterbrochen

Doch wie sich alsbald herausstellt, ist Diana, die Göttin der Jagd, heute nicht mit den Waidleuten. Es regnet. Schon bei der Jagdbesprechung, die Forstamtsleiter Markus Ziegler auf dem Gelände vor dem Tierpark Sababurg vornimmt, ziehen sich die Jäger die Kapuzen über die Köpfe oder spannen die Schirme auf. So geht es weiter. Der Regen, den der Wald und die gesamte Natur so dringend nötig haben, fällt heute ununterbrochen.

Die ersten Schüsse hallen durch den Wald

Als gegen 10 Uhr die 58 Jäger ihre Stellungen bezogen haben, sind die meisten Stiefel und die Beinkleider unterhalb der Knie bereits durchnässt. Aber als Schlag zehn die Hunde geschnallt werden und von ferne das Gebell der erregten vierbeinigen Jagdhelfer das Klopfen der Regentropfen übertönt, sind alle Unbilden wie weggeblasen: Die Jagd hat begonnen. 

Auf dem Drückjagdbock: Unter Kapuze und Regencape harrt der Jäger aus.

Und kurz darauf hallen die ersten Schüsse durch den Wald. Ob jeder Schuss auch ein Treffer ist, wird sich erst am Ende des Jagdtages zeigen.

Füchse sind nicht freigegeben

Die nächsten zwei Stunden jedenfalls ist eine Menge los im Revier. Schon nach wenigen Minuten ergreift ein vom Hundegebell aufgeschreckter Fuchs vor meinem Stand die Flucht ins Unterholz. Doch der Rote ist heute nicht freigegeben vom Jagdleiter und so bleibt der Büchsenhahn ungespannt. 

Nach einer halben Stunde ist es dann ein Schmalreh, das im Zickzack und mit großen Sprüngen in die entgegengesetzte Richtung läuft. Weil ich aber von der Seite das Tier nicht richtig ins Visier bekomme, ist es ebenfalls schnell in der Buchenverjüngung verschwunden. Ein Schuss ist nicht mehr anzutragen.

Nicht jeder Schuss ist ein Treffer

Der Regen aber prasselt unaufhörlich weiter auf den Wald und seine Jäger. Jeder versucht, sich so gut es geht, einigermaßen trocken und warm zu halten. 

Ich schenke mir einen Becher Tee aus der Thermoskanne ein. Just in dem Moment, als ich das Gewehr aus der Hand lege, um zu Kanne und Becher zu greifen, prescht ein kapitaler Keiler mit einem Überläufer im Gefolge durchs Unterholz. Im Schweinsgalopp queren die beiden die Rückegasse. 

Das Abstellen des Bechers und der Griff zum Gewehr fließen in eine Bewegung. Gerade noch kriege ich den Dicken für einen Sekundenbruchteil im Zielfernrohr erfasst. Reicht es noch für einen Schuss? Oder muss der Finger vom Abzug bleiben? Ich zögere. Und dann ist es auch schon zu spät. Die Schwarzkittel haben gewonnen. Sie tauchen ab und lassen sich vom Brombeerdickicht verschlucken.

Jagdhornbläser erweisen die letzte Ehre

Jagdhornbläser erweisen traditionell mit den Totsignalen jeder erlegten Wildart die letzte Ehre. Am Ende der Jagd ertönt das Halali.

Gut zwei Stunden nach Jagdbeginn wird es wieder ruhiger im Wald. Vereinzelt dringt noch Hundelaut ans Ohr und auch noch zwei, drei Schüsse sind zu hören. Dann ist Schluss. Um 12.30 Uhr heißt es Hahn in Ruh. Nun bekommen auch die Tiere wieder Ruhe.

Später am Streckenplatz heißt es, „bei so viel Regen hängt das Wild fest“. Dann entfaltet das ganze Treiben nur begrenzte Wirkung. Entsprechend mager ist heute die Beute: 58 Jäger haben 21 Sauen und sechs Rehe erlegt – kein Vergleich zum sonnigen Vortag.

Die Jagdstrecken

Auf einer Fläche von 18 000 Hektar übt das Forstamt Reinhardshagen die Jagd-Regie aus. Weitere 4400 Hektar im Reinhardswald sind an Jagdpächter verpachtet. Die Statistik auf der Regie-Jagdfläche weist in diesem Jahr bislang eine Strecke von 1349 Stück Wild aus. 

Davon sind 501 Stück Schwarzwild, 143 Stück Rotwild und 705 Rehe. Damit deutet sich die mindestens zweithöchste Schwarzwildstrecke der letzten fünf Jahre an. 

Afrikanische Schweinepest: Population der Wildschweine eindämmen

Im Hinblick auf die drohende Afrikanische Schweinepest sind die Forstämter gehalten, die Population der Wildschweine einzudämmen. 2018 war der Jagdbetrieb durch den Orkan Friederike eingeschränkt. 

1207 Stück Wild wurden erlegt. 281 Stück Schwarzwild, 151 Stück Rotwild, 775 Rehe. 2017 wurden 624 Stück Schwarzwild, 210 Stück Rotwild und 710 Rehe geschossen, insgesamt waren es 1544 Stück Wild.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.