Gemeinde muss nur 247 Euro bar zahlen

Reinhardshagen: Zustimmung zur EAM - Hoffnung auf Gewinn

Zustimmung: Die Gemeinde Reinhardshagen erwirbt Anteile am Energieversorgungsunternehmen EAM. Foto: dpa

Reinhardshagen. Ohne Begeisterung, aber mit Hoffnung, langfristig Gewinn zu machen, stimmten die Reinhardshäger Gemeindevertreter am Mittwochabend dafür, der EAM beizutreten. Sie folgten damit den Städten Liebenau und Grebenstein, die bereits Anfang der Woche zugestimmt hatten.

Bei der Abstimmung gab es eine für Reinhardshäger Verhältnisse ungewöhnliche Koalition. Die beiden Minderheitsparteien SPD und CDU waren dafür und konnten nur deshalb ihre Überzeugung durchsetzen, weil fünf der anwesenden zwölf UWG-Vertreter mit ihnen stimmten. Die restlichen sieben enthielten sich der Stimme oder votierten dagegen. Die Gegner des Beitritts, allen voran Daniel Sallwey, begründeten ihre Meinung mit ungewissen Gewinnaussichten in der Zukunft, der langfristigen Laufzeit von drei Jahrzehnten und dem verbundenen Risiko.

Außerdem stieß den Gegnern, wie auch einigen Befürwortern, die Zusammenarbeit des Energieversorgers mit den Städtischen Werken Kassel sauer auf, die auch in Windkraft investieren wollten und damit Befürworter der in der Region umstrittenen Windräder sein werden. Eine Investition in die Leitungen, so Sallwey, könne er als Infrastrukturprojekt rechtfertigen. Das sei eine öffentliche Aufgabe. Der Vertrieb solle aber privatwirtschaftlich geregelt werden.

Skeptisch äußerte sich auch sein Fraktionskollege Dirk Weddig. Als der Landkreis vor zwölf Jahren seine Anteile an der EAM an die Eon verkaufte, „sagten die Experten, dies sei gut für den Landkreis.“ Als der Kreis vor zwei Jahren die Anteile wieder zurückkaufte, „sagten die Experten, dies sei gut für den Landkreis.“ Er sei sich sicher, dass es in einigen Jahren wieder Experten geben werde, die es für gut für die Kommunen hielten, ihre Anteile zu verkaufen. Da dann aber sicher Kapital erwirtschaftet worden sei, wäre er nicht generell dagegen, sondern enthalte sich.

Gerade auf die Kapitalbildung hoben die Befürworter des Einstiegs, wie SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Salomon, ab. Die Kommunen bekämen Anteile vom Kreis übertragen. Sie müssten dafür kein Eigenkapital aufbringen, sondern würden die Verbindlichkeiten über die erwirtschafteten Gewinne abtragen. In 27 Jahren soll der Anteil, im Fall von Reinhardshagen sind dies 0,16 Prozent, bezahlt sein. Dadurch hätte man knapp zwei Millionen Euro Eigenkapital erwirtschaftet, jenen Anteil also, den die 0,16 Prozent wert seien. Und das bei überschaubarem Risiko.

Nur 247 Euro muss die Gemeinde Reinhardshagen bar bezahlen. Wie der Betrag zustande kommt, erläuterte Bürgermeister Fred Dettmar. Hinter der Gesellschaft, die die Millionenanteile an der EAM hält (Kreise, Städte, Gemeinden) steht eine GmbH. Deren Stammkapital liegt nur im fünfstelligen Bereich - und muss entsprechend in bar bezahlt werden.

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