Zurück in den ursprünglichen Zustand

Moor im Reinhardswald soll wieder wachsen

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Renaturierung im Torfmoor Federbruch östlich von Mariendorf. Dort zieht ein Seilkran die gefällten Fichten aus dem Gebiet, um den Moorboden zu schonen. Am Mittwoch hatte es dort geschneit.

Die Moore im Reinhardswald sollen wieder ihren ursprünglichen Zustand erhalten. Auf der größten Fläche hat das Forstamt Reinhardshagen mit den Arbeiten begonnen.

Forstwirte fällen dort mit Motorsägen Fichten, die anschließend ein Seilkran aus dem Gelände zieht. Durch den Einsatz des Krans wird der empfindliche Moorboden geschont. Zum Schutz der Flächen sind diese Arbeiten nur im Winter möglich.

Der vier Hektar große Federbruch (40 000 Quadratmeter) ist das bedeutendste Moorgebiet im Reinhardswald. Der Göttinger Moorexperte Philipp Küchler hat dort Proben genommen. Er hat festgestellt. dass sich im Lauf von etwa 3000 Jahren eine drei Meter dicke Torfschicht gebildet hat. Damit hat das Gebiet die größte Torfschicht der nordhessischen Moore, sagte Dr. Marcus Schmidt von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

Forstamt arbeitet auf Basis von drei Gutachten

Doch trotz dieser Torfschicht war der Bereich auch bei Experten kaum bekannt. Er selber sei vor 15 Jahren dort unterwegs gewesen, sagte Schmidt bei der Vorstellung des Projektes im Forstamt Reinhardshagen. Dabei sei ihm der Federbruch als Moor gar nicht aufgefallen.

Das soll sich mit der Renaturierung ändern. Moorexperte Küchler hat drei Gutachten erarbeitet, auf deren Basis das Forstamt arbeitet. Läuft alles nach Plan, soll der Federbruch künftig wieder als lichter Birkenwald sichtbar werden. In den Randbereichen werden Eichen gepflanzt, kündigte die zuständige Revierförsterin Petra Walter an. Ab 2021 soll im Kernbereich die Entwicklung möglichst der Natur überlassen werden.

Moorexperte Philipp Küchler zeigt eine Torfprobe, die in etwa 300 Jahren entstanden ist.

Unterstützt wurde das Projekt auch durch Stürme und Borkenkäfer. Denn selbst auf den feuchten Standorten hätten die Fichten nach dem Sommer 2018 Schäden gezeigt, sagte Schmidt. Das Forstamt hat für die Moore gewissermaßen die Patenschaft übernommen. Jedes Amt solle sich einige Arten sowie Biotoptypen auswählen, die besonders gefördert werden, erklärte Markus Ziegler. Im Forstamt Reinhardshagen sind das Eremit (ein baumbewohnender Käfer) und Schwarzstorch sowie die Moore als Biotop. Die anderen Moorgebiete im Reinhardswald sollen nach und nach freigestellt werden, kündigte Ziegler an.

Im Forstamt überlegt man, ob der Federbruch zusammen mit dem Naturpark als Wanderziel ausgewiesen werden kann. Auch eine Info-Tafel könnte auf das Gebiet hinweisen.

Schon im 19. Jahrhundert bekanntes Moor

Das Fällen und Beseitigen der Fichten im Federbruch kostet etwa 50.000 Euro, sagte Forstamtsleiter Dr. Markus Ziegler. Die Arbeiten werden vom Land finanziert. Die Obere Naturschutzbehörde im Regierungspräsidium begleitet das Projekt. Der Federbruch war schon im 19. Jahrhundert als Moor bekannt. Das Gebiet tauchte in mehreren naturkundlichen Werken auf, sagte Dr. Marcus Schmidt bei der Vorstellung des Projekts. Erst nach 1900 wurde das Moor mit Fichten aufgeforstet. Damals wurden auch die Entwässerungsgräben angelegt. Die Gräben sollen vom Bergwaldprojekt stillgelegt werden, um die Fläche feucht zu halten, kündigte Ziegler an.

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