Streik: Privatleute teilweise zwei Wochen ohne Post

Vergeblicher Gang zum Briefkasten: Hermann-Josef Rapp in Reinhardshagen wartet auf wichtige Behördenpost, aber seit zwei Wochen bleibt der Briefkasten leer. Nur einmal kamen Pakete. Foto: Siebert

Reinhardshagen/Hofgeismar. Der Poststreik geht in die dritte Woche. Reinhardshagen trifft es besonders hart.

Während in manchen Orten - wie etwa Teilen Hofgeismars - fast täglich Post im Briefkasten steckt, sind andere Gemeinden unterschiedlich betroffen. (Post AG: „Es sind Hinweise auf Beeinträchtigungen am Versandort bekannt“), beispielsweise die Gemeinde Reinhardshagen. Während Postfachbesitzer dort wenigstens einen Teil ihrer Briefpost erhalten, schauen die meisten Privatleute seit zwei Wochen täglich in leere Hausbriefkästen.

Einer von ihnen ist Hermann-Josef Rapp. Er ist besonders betroffen, weil die Familie mitten in der Abwicklung von drei Todesfällen steckt und deshalb umfangreichen Briefverkehr mit Behörden und Gerichten, Notaren, Dienstleistern, Geldinstituten und zum Beispiel dem Urnenversand haben. „Da wir nicht wissen, wessen Post nicht zugestellt wird, können wir auch nicht telefonisch oder per Mail eingreifen“, sagt Rapp. Die Familie vermutet, dass zwei Erbscheine in der Zustellschleife warten, die für sie eminent wichtig sind und ohne die sie mehrere Termine nicht einhalten können. Und Rapp fragt sich: „Was will die Gewerkschaft mit einem Streik hier bei uns in Reinhardshagen erreichen?“

Die Folgen spüren auch Geschäftsleute, die vergeblich auf Warennachschub warten, oder das Forstamt Reinhardshagen, über das zahlreiche Bestattungen im Friedwald abgewickelt werden. Einige Bestatter bringen die Urnen jetzt persönlich vorbei. Die Gemeindeverwaltung Reinhardshagen bekommt nur noch etwa die Hälfte der üblichen Briefpost, und das auch nur, weil sie ein Postfach besitzt und die Filiale im Rewe-Markt anruft, wenn Post zum Abholen da ist. Man warte noch auf Unmengen von Post. Es habe jetzt Submissionen für die Vergabe von Bauaufträgen gegeben, möglicherweise seien einige Angebote nicht rechtzeitig eingetroffen, sagt Manuela Medek von der Gemeindeverwaltung, die befürchtet, dass sie nach dem Streik tagelang mit Postbearbeitung beschäftigt sein wird.

Nach Angaben der Post wechseln die bestreikten Zustellbezirke täglich. In manchen Bezirken werde zugestellt, in anderen nicht. In der Postfiliale in Hofgeismar fragen Kunden ständig nach den Streikauswirkungen, allerdings haben beispielsweise Paketeinlieferungen nicht nachgelassen.

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