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Studie im Jubiläumsjahr zeigt große Mängel beim Hallenbad in Vaake

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Von: Bernd Schünemann

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Die Fensterfront des Hallenbades. Davor eine Wiese
Das Hallenbad in Vaake: Dort sei wenig für den Erhalt getan worden, wird in der Machbarkeitsstudie festgestellt. Jetzt müssen die Reinhardshäger Gemeindevertreter entscheiden, wie es weitergeht. © Bernd Schünemann

Das Hallenbad in Vaake weist viele Mängel auf. Nun muss die Gemeindevertretung entscheiden, wie es mit der Einrichtung weitergehen soll.

Vaake – 50 Jahre besteht das Freibad in Vaake in diesem Jahr. Doch für Feiern scheint wenig Anlass zu sein. In der gesamten Anlage besteht umfangreicher Handlungsbedarf. Das ergab eine Machbarkeitsstudie, die Sebastian Bäger von Döring Beratende Ingenieure in Kassel und der Hamburger Architekt Sezai Ilker Candan den Gemeindevertretern und etwa 40 interessierten Zuschauern am Montagabend vorstellten.

„Das Bad ist in die Jahre gekommen“, hatte Bürgermeister Fred Dettmar vor der Gemeindevertretersitzung gesagt. Diese Aussage wurde im Parlament deutlich bestätigt. Unterm Strich präsentierte Bäger zwei Zahlen: Eine Sanierung des Baukörpers würde etwa vier Millionen Euro kosten, ein Neubau etwa acht Millionen. Das sei nur ein grober Rahmen.

Praktisch überall hatten Bäger und Candan erhebliche Mängel festgestellt. Die Regelungstechnik funktioniere nicht mehr. Der Wasserfluss werde beispielsweise von Hand über Schieber gesteuert. Bei der Wasserversorgung entstünden große Wärmeverluste. Heutige Energiestandards würden nicht erfüllt, sagte der Kasseler Planer. So könnten die Heizkörper im Bad nicht reguliert werden. Die Lüftungstechnik sei heute nicht mehr zulässig.

Bei der Stromversorgung fehlten Schutzschalter. Schon beim Bau vor 50 Jahren habe die elektrische Anlage „keiner Norm entsprochen“, erklärte Bäger. Auch beim Brandschutz gebe es Mängel. Problematisch seien auch die Ansaugdüsen am Beckenrand. Sie könnten für Kinder zu einer Gefahr werden. Die Warmwasserbereitung sei in einer ehemaligen Damentoilette eingebaut worden.

Ein weiteres „schwieriges Thema“ seien die beim Bau verwendeten Materialien. Er gehe davon aus, dass sie schadstoffbelastet seien, sagte Bäger. Auch das müsse genauer untersucht werden.

Zuschüsse seien bei den Kosten nicht berücksichtigt worden, antwortete Sebastian Bäger auf eine Frage von Jürgen Wiemer (SPD). Wiemer fragte auch, ob angesichts der Mängel das Bad wieder in Betrieb genommen werden könne. Das müsse die Verwaltung mit den zuständigen Behörden klären, sagte Bäger.

Dr. Karolin Löser (UWG) erkundigte sich nach dem Zustand der Gebäudesubstanz. Den Zustand der Außenmauern oder des Beckens hätten sie nicht überprüft. Dazu müssten beispielsweise Statiker das Gebäude noch einmal unter die Lupe nehmen, sagte Bäger. „50 Jahre haben ihre Spuren hinterlassen“, sagte Sezai Ilker Candan. Üblicherweise sei ein Bad nach etwa 25 Jahren „sanierungsfähig“ aufgrund der Feuchtigkeit und der Nutzung von Chlor.

Das Bad im Vaaker Ahletal wird unter anderem von Vereinen, für Sport- und Wassergymnastik sowie Babyschwimmen genutzt. Auch die niedersächsische Polizeiakademie in Hann. Münden nutzt die Anlage, weil es in der Nachbarstadt kein Hallenbad gibt.

Das Hallenbad sei 1972 eröffnet worden, berichtete eine Besucherin während der Parlamentssitzung. Auf der Internetseite der Gemeinde ist dagegen 1974 als Baujahr angegeben. (Bernd Schünemann)

Gäste sind nicht gefährdet

Gemeindevertreter und Öffentlichkeit sollten hören, wie es um das Vaaker Hallenbad bestellt ist, sagte Bürgermeister Dettmar nach dem Bericht von Sebastian Bäger und Sezai Ilker Candan. Jetzt müsse die Gemeindevertretung beraten. „Das wird uns Jahre beschäftigen“, ergänzte der Bürgermeister.
Er wies darauf hin, dass trotz der gravierenden Mängel das Bad betriebsbereit sei. Das attestierten auch Gesundheitsamt und Sicherheitstechniker, die die Anlage regelmäßig untersuchten. Die Badegäste seien nicht gefährdet.
Parlamentschef Wolfgang Bertelmann will jetzt mit den Fraktionsvorsitzenden darüber beraten, was mit den Informationen aus der Studie und dem Hallenbad geschehen solle.

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