Baum gefällt: Vaaker Verein will historische Lattenboote bauen

Vaake. Es war wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen - nur eben, dass die Nadel ein Baum war und der Heuhaufen der Reinhardswald.

Am Dienstagnachmittag wurde die alte Eiche nun gefällt, die für den Bau zweier Lattenschiffe herhalten soll. Diese will eine Gruppe von Männern aus Vaake zimmern, die sich anlässlich der 1150-Jahr-Feiern zusammengefunden haben.

Doch wie kommt man dazu, ein solches Projekt in Angriff zu nehmen? „Wir wollten auch etwas für unser Fest im Ort machen“, sagt Michael Geselka, Sprecher des frisch gegründen Vereins „Lattenschiff-Vaake“. Beim Durchstöbern alter Chroniken seien sie auf die Schiffe gekommen, die typisch für die Oberweser-Region seien.

Da der Verein für sein Vorhaben bestes Eichenholz benötigt, startete man vor gut einem halben Jahr mit der Suche nach einem geeigneten Baum. „Dieser sollte mindestens 80 Zentimeter Durchmesser haben, keine Verästelungen auf zehn Meter aufweisen und gerade gewachsen sein“, verrät Geselka.

In allen 13 Revieren des Reinhardswaldes, also auf 22 000 Hektar, wurde nach einem geeignetem Expemplar gesucht. Ganze drei kamen schließlich in die nähere Auswahl, wovon sich die Schiffsbauer schließlich für die 160 Jahre alte Eiche im Revier Bad Karlshafen entschieden hatten.

Beispiel für ein Lattenschiff: Mit diesem Boot waren im Jahr 2008 Männer aus Veckerhagen auf der weser unterwegs. Archivfoto: Mai

Mit Unterstützung eines Forstwirtes und des zuständigen Försters wurde der Baumriese nun mit einem fachmännischen Kastenschnitt gefällt und mit einer Rückemaschine zum nächsten Waldweg transportiert. Dort wurde das gute Stück von einem Förster vermessen. „Zwischen sechs und achttausend Euro wird er uns kosten - unseren Sponsor dürfen wir noch nicht verraten“, so der Gruppensprecher. Insgesamt hat der Verein 13 000 Euro für die Lattenschiffe veranschlagt. Dafür werden noch dringend Sponsoren gesucht.

Natürlich beäugten auch die Schiffsbauer das wertvolle Holz genau und entdeckten dabei einen Riss im Holz, was erstmal für Kopfzerbrechen sorgte. „Ob wir aus diesem Stamm tatsächlich zwei Schiffe bauen können, ist ungewiss - das werden wir wissen, wenn die Bohlen im Sägewerk geschnitten sind.“

Solange das Holz noch nicht bezahlt ist, muss es im Wald bleiben. In den kommenden Tagen werden dann wahrscheinlich zwei Kräne die Eiche verladen und zur Weiterverarbeitung nach Helsa bringen.

Nach diesem Schritt soll in Vaake so etwas wie eine öffentliche Werft entstehen. „Vor dem Dreschschuppen wollen wir unsere Schiffe bauen, so dass jeder an der Aktion teilhaben kann“, erklärte Vereinsvorsitzender Andreas Vollack. Rund ein Jahr werde das Projekt wohl andauern, schätzt die Gruppe. Einige Unsicherheiten gebe es noch, beispielsweise müssten sie noch herausfinden, wie das Holz mit Feuchtigkeit und Druck gebogen werden kann.

Rubriklistenbild: © Temme

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