Gemeinde Reinhardshagen verschickte Flyer mit Regeln

Verhaltens-Knigge empört Hundehalter

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Spaß für Hund und Mensch: In einem Feld- und Flurknigge fordert die Gemeinde Reinhardshagen die Hundehalter auf, Feldwege nicht zu verlassen. Solche Szenen, wie hier in Brandenburg, dürfte es also nicht geben.

Reinhardshagen. Für Verärgerung unter Hundebesitzern in Reinhardshagen sorgt ein Flyer, den jetzt die Gemeinde zusammen mit den Bescheiden für die Hundesteuer versandt hat.

„Ich bin total empört“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Andreas Salomon, der diesen Flurknigge jetzt erhielt. Dabei geht es ihm weniger um den Inhalt, sondern um den Adressatenkreis, der die Benimm-Regeln erhielt.

Genau genommen wird in dem Feld- und Flurknigge, wie er heißt und wie er auch schon in anderen Kommunen verteilt wurde, aufgelistet, wie sich Menschen in der Natur verhalten sollen: Feldwege nutzen und keine fremden Apfelbäume abernten.

Ein Großteil des Ratgebers wendet sich direkt an Hundebesitzer: „Hundekot auf Feldern und Wiesen ist nicht nur eklig, sondern auch gefährlich“, heißt es beispielsweise. Die Mahnung ist mit dem Hinweis versehen, dass die Hundebesitzer die Hinterlassenschaften des Vierbeiners doch bitte entsorgen möchten. „Möchten Sie, dass Ihre Kartoffeln auf einer ,Müllhalde‘ heranwachsen?“, heißt es provokativ.

Einen Hinweis darauf, „dass man die Hinterlassenschaft seines Hundes im Ortsgebiet aufsammeln soll, finde ich in Ordnung. Auch dass man mit seinem Tier andere Leute nicht belästigen oder bedrängen soll, Rücksicht auf sie nimmt, kann man ruhig einigen Hundebesitzern ab und zu ins Gedächtnis rufen“, sagt Salomon. Dies könne aber besser im direkten Gespräch erfolgen.

Absolut diskriminierend findet er aber die anderen Hinweise. Da der Flurknigge nur an Hundesbesitzer verteilt wurde, würde diese Personengruppe unter Generalverdacht gestellt. Unter anderem heißt es in dem Flyer, dass man nicht über freie Felder/Wiesen laufen sollte, weil hier Wildtiere ihre Nahrung finden. „Ich denke nur ein geringer Teil der Hundebesitzer läuft quer Feld ein, hier gibt es andere Freizeitsportler, die hierzu eher neigen“, meint Salomon. Auch der Hinweis, dass Äpfel von Obstbäumen am Rande von Feldwegen einfach gepflückt würden, sei wohl nicht ein Problem der Hundebesitzer.

Wenn die Gemeinde schon einen Feld- und Flurknigge veröfftentlicht, so Salomon, dann gehört er in jeden Haushalt, und nicht nur in den von Hundebesitzern: „Ich finde dies äußerst bedenklich und diffamierend.“ Dabei gehe es nicht um sein politisches Amt, sondern um den Hundehalter Salomon, sagt er.

Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar war dazu bisher nicht zu erreichen.

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