Windräder im Reinhardswald

Wegen Windkraft: Reinhardshagens Bürgermeister lädt Timon Gremmels zu Gespräch ein

Windkraftanlagen im Nebel
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Diskussionen um die Windkraft (hier ein Symbolbild aus Niedersachsen) gibt es auch in Nordhessen, beispielsweise um Windvorrangflächen im Bereich des Naturparks Reinhardswald.

Zu einem Gespräch mit Windkraftgegnern lädt Reinhardshagens Bürgermeister Fred Dettmar den SPD-Bundestagsabgeordneten Timon Gremmels ein. Der hatte sich klar zur Windkraft bekannt.

Reinhardshagen – In einem Gespräch mit unserer Zeitung hatte sich Gremmels klar zur Windkraft – auch im Reinhardswald – bekannt. Ein Ja zur Windkraft kommt auch von Dettmar, allerdings müsse der Reinhardswald verschont bleiben.

Dies sehe auch der Großteil der Bevölkerung so, sagt Dettmar und verweist auf eine von acht Bürgermeistern unterschriebene Deklaration, die sich klar gegen Windräder im Reinhardswald aussprechen.

140 Windräder würden 12 Prozent der Waldfläche betreffen

Dettmar erneuert die Befürchtung, dass im Reinhardswald bis zu 140 Windräder entstehen könnten.

Anders als Gremmels, der dies als möglich, aber unwahrscheinlich bezeichnete, sieht Dettmar die ersten Windräder quasi als Türöffner. Wenn die erste Anlage stehe, werden weitere folgen. Bei 140 Anlagen würde das zwölf Prozent der Waldfläche betreffen. Daher gelte der Satz: „Wehret den Anfängen.“

Anerkennenswert sei, sagt Dettmar, dass Gremmels den schwarzen Peter nicht nach Wiesbaden schiebe, sondern die Verantwortung der Regionalversammlung hervorhebe, in der auch Gremmels Mitglied sei.

Habichtswald aus Planung genommen – Reinhardswald nicht

Dieses Gremium, dem viele Kommunalpolitiker angehören, habe den Energieplan beschlossen. Diese Regionalversammlung habe unter anderem den gesamten Habichtswald und auch Flächen nahe der Heimat des Bundestagsabgeordneten aus der Planung herausgenommen.

Den Reinhardswald, das „Schatzhaus der europäischen Wälder“, aber nicht. Und das sei nun bedroht.

Der Aussage Gremmels, dass es zwischen der Ausweisung zum Naturpark und den Windenergieanlagen keinen Zusammenhang gibt, widerspricht Dettmar vehement.

Irritation über Planänderungen über Naturpark

Er selbst, so der Bürgermeister, war 2010 dabei, „als es eine von vielen Seiten unterstützte Initiative gab, schon damals einen Naturpark zu errichten.“ Seinerzeit kam eine klare Aussage aus Wiesbaden: Diesen Naturpark wird es nicht geben. Zu teuer, zu viel Konkurrenz zu den bestehenden Naturparks.

Wenige Jahre später, als die Windkraftplanungen anliefen, war es dann doch machbar. Dettmar: „Von daher gibt es definitiv einen direkten Zusammenhang.“

Das Gleiche gilt für die vom Bundestag „mit heißer Nadel gestrickte EEG-Novelle.“ Hier werden Zahlungen von den Windenergieerzeugern angeboten, die Gremmels als „interessante Einnahmequelle für Kommunen“ bezeichnet.

Trotz Differenzen Lob für Ehrlichkeit

Im Gesetz heiße es, dass dies die Akzeptanz vor Ort erhöhen solle. Sicherheitshalber nehme man „in den Paragrafen gleich noch mit auf, dass diese Zahlung dann keine Bestechung sei“, sagt Dettmar und fügt hinzu: „ Ein Schelm, der Böses dabei denkt.“

Trotz der inhaltlichen Differenz mit Gremmels lobt Dettmar aber dessen Ehrlichkeit. Letztlich werde die Entscheidung über die Windräder aber nicht mehr politisch, sondern verwaltungsrechtlich getroffen, zunächst beim Regierungspräsidium und dann möglicherweise vor einem Verwaltungsgericht.

„Trotzdem brauchen wir Ehrlichkeit von allen Seiten, wenn es darum geht, in diesem sehr emotionalen Streit auch weiter die jeweiligen Fakten offen miteinander diskutieren zu wollen“, heißt es in Dettmars Stellungnahme abschließend. (Michael Rieß)

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