Neues Paar bereitet den Horst vor

Der Winter beeindruckt die Störche in Reinhardshagen nicht

Ein Storch landet auf dem Nest im Reinhardshäger Ortsteil Vaake.
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Ein Storch landet auf dem Nest auf dem Schornstein im Reinhardshäger Ortsteil Vaake. Der Partner erwartet ihn.

Von Schnee und tiefen Temperaturen lassen sie sich nicht stören: Zwei Weißstörche überwintern nicht nur an der Weser in Vaake.

Reinhardshagen - Das Paar bessert auch das Nest auf dem Schornstein aus. „Und die Vögel balzen“, berichtet Hermann-Josef Rapp. Viele Menschen beobachteten die Tiere, die in den winterlichen Wiesen am Ufer Futter suchen und finden, erzählt Rapp. Einer der Beobachter ist der Veckerhäger Pascal Drubel, der die Störche mit einem starken Teleobjektiv beobachtet, filmt und fotografiert. Er hat auch seine Fotos für diesen Bericht beigesteuert.

Männchen zupft Nistmaterial

Drubel beobachtete unter anderem, wie das Männchen an einem Misthaufen Stroh zupfte und zum Horst brachte. Dort besserten die Vögel den Nestrand mit dem Material aus. Komme einer der Vögel allein an den Horst, begrüße ihn der andere mit ausgiebigem Klappern am Nest, ergänzte Drubel – auch jetzt im Winter.

Anhand verschiedener Merkmale und unterschiedlichen Verhaltens können Beobachter bei den auf den ersten Blick gleich erscheinenden Vögeln Männchen und Weibchen unterscheiden. Durch genaues Beobachten gelang es auch festzustellen, dass die beiden Vögel nicht das Paar sind, das seit 2019 in Vaake brütet.

Was passiert, wenn das Horstpaar kommt?

Mit Spannung sehen die Reinhardshäger der Rückkehr des „alteingesessenen“ Paares entgegen. Hermann-Josef Rapp geht davon aus, dass es dann zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Paaren um den Horst auf dem Schornstein kommen wird.

Mit Nistmaterial unterwegs: Einer der beiden Störche, die bei Vaake an der Weser überwintern. Viele Menschen erfreuen sich an den Vögeln, berichtet Hermann-Josef Rapp.

Sorgen um die Störche, die aus der Region in ihre Winterquartiere nach Spanien gezogen sind, haben sich die Naturschützer nicht gemacht. Das bestätigt zum Beispiel Yvonne Berger, die gemeinsam mit ihrem Mann die Weißstörche vor allem in Deisel und Sielen für den Naturschutzbund (NABU) beobachtet.

Im Königspalast überwintert

Spanien ist zum beliebten Winterquartier für Störche aus den alten Bundesländern geworden. In diesem Winter mussten die Vögel aber auch dort großen Schneemengen ausweichen. Die Artgenossen aus den neuen Bundesländern ziehen dagegen weitgehend über den Bosporus weiter bis nach Afrika, berichtet Bernd Petri, Storchenexperte beim Nabu-Landesverband Hessen.

Konkrete Hinweise auf Störche, die zur Erforschung ihrer Zugwege kleine Sender tragen oder die beringt sind, gibt es derzeit für Hessen nicht. Bis zum vergangenen Jahr war die Storchendame Sara von Hessen nach Spanien geflogen, berichtet Petri weiter. 2020 war Sara bei einem Storchenkampf ums Leben gekommen. Petri erzählt auch von einem besenderten Storch, der über die Meerenge von Gibraltar nach Marokko geflogen war. Dort habe er mehrere Jahre im Garten des Königspalastes in Marrakesch überwintert.

Die ersten Rückkehrer werden erwartet

Petri rechnet in den nächsten Tagen in Südhessen mit den ersten Rückkehrern aus den Winterquartieren. Die Masse komme dann Ende Februar zurück. Dann werden auch in unserer Region die ersten Rückkehrer erwartet. Ein Youtube-Video von dem Vaaker Storchenpaar im Winter von Pascal Drubel gibt es unter zu.hna.de/winterstorch (Bernd Schünemann)

250 Weißstörche überwintern im südhessischen Büttelborn

Inzwischen ziehen längst nicht mehr alle Störche in den Süden. Einige bleiben in der Region, wie das Paar in Vaake und ein Weibchen, das beim Wolfhager Stadtteil Wenigenhasungen gebrütet hat. Im Schwalm-Eder-Kreis überwintern die Vögel schon länger.

Andere Störche fliegen auch nicht mehr bis nach Spanien. So überwintern etwa 250 Vögel aus Nordhessen, Thüringen, den Niederlanden und Belgien in Büttelborn im Kreis Groß-Gerau, berichtet der Naturschutzbund-Storchenexperte Bernd Petri. Die Tiere finden dort an einer Mülldeponie Futter. Seit einigen Jahren haben sie diesen Futterplatz entdeckt und verzichten auf den Zug. Das bringt ihnen Vorteile. Sie ersparen sich den gefährlichen und energieaufwendigen Flug – und sie sind früher zurück an ihren Horsten.

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