18 Initiativen und Organisationen appellieren:

"Landschaft wird zerstört": Warnung vor Windkraft im Wald

Für viele eine Horrorvision: Zahlreiche Windräder auf den Hängen des Reinhardswaldes. Bei dieser Fotomontage richtet sich der Blick vom Lippoldsberger Kirchturm in Richtung Wald.

 Reinhardswald. Das Ziel ist ehrgeizig, aber auch umstritten: Zwei Prozent der Landesfläche und damit auch Nordhessens sollen für Windenergienanlagen bereit gestellt werden. Reserviert werden soll für die Windkraft nicht nur offenes Land, sondern vor allem Wald.

85 Prozent der bislang vorgesehenen Windvorranggebiete sind von Wald bewachsen. Dabei handelt es sich vor allem um die windhöffigen Höhenrücken von Reinhardswald und Kaufunger Wald.

Werden also auf den Kämmen des Reinhardswaldes demnächst riesige Windräder mit einer Höhe von fast 200 Metern stehen? Schon möglich, sofern die Regionalversammlung im Sommer dem Entwurf des Teilregionalplans Energie zustimmen sollte.

Vernunft und Augenmaß

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Davor warnen allerdings Bürgerinititativen, Naturfreunde und Waldschützer. In einem von insgesamt 18 Gruppen und Organisationen unterzeichneten "Appell an Vernunft und Augenmaß" machen sie auf die Gefahr aufmerksam, dass "die hessische Mittelgebirgslandschaft ein für allemal zerstört" wird.

Der Appell richtet sich an Mandatsträger, Verbandsvertreter und öffentlich Bedienstete, die demnächst "an der vielleicht folgenschwersten Entscheidung in der Geschichte dieses Bundeslandes beteiligt sind", wie es in dem Schreiben eingangs heißt.

Die Organisationen weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie für die Energiewende und den Ausstieg aus der Atomkraft eintreten. Doch "fragwürdige Alternativen" wie die Windkraft in Waldgebieten könnten damit nicht automatisch gebilligt werden.

Video: Mit der Drohne über den Windrädern

Der Bau von 200 Meter hohen Windenergieanlagen mit massivsten Fundamenten, der Anlage panzertauglicher Wegesysteme und den unumgänglichen Kahlschlägen "zerstört das Ökosystem Wald großflächig".

Nach Ansicht der Appell-Unterzeichner kann es eine Anhäufung von Windrädern (Windradcluster) im Wald nicht geben. Denn: "Die Grünkulissen um die Windräder sind kein Wald mehr. Es ist eine optische Täuschung mit fatalen Folgen."

Nach Ansicht der Waldschützer sind derzeit noch zuviele Fragen offen. So sei unklar, wie die Energie transportiert wird und ob und wie sie gespeichert werden kann. Deshalb verlangen sie "ein schrittweises Vorgehen unter Beachtung des technischen Fortschritts".

Vor allem aber fordern sie belastungsfähige Gutachten zu Windhöffigkeiten und Vogelfauna. "Bei den unglaublich hohen Investitionssummen und dem extrem hohen Wert von Landschaft und Artenvielfalt" gebe es dazu keine Alternative.

Von Gerd Henke

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